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Das Château d'Écouen – Ein Meisterwerk der Renaissance im Val d'Oise

Das Château d'Écouen, ein majestätisches Meisterwerk der französischen Renaissance, erhebt sich stolz auf einem Hügel im Val d'Oise, nur 20 km nördlich von Paris, und blickt auf die weiten Felder der „Plaine de France“. Dieser prächtige Bau, umgeben von einem 104 ha großen Wald, ist nicht nur ein architektonisches Symbol der französischen Geschichte, sondern auch ein Zeugnis der Macht und Ambitionen von Anne de Montmorency, dem einflussreichen Connétable von Frankreich, des 16. Jahrhunderts.

Doch das Château d'Écouen wurde auch zum Schauplatz politischer Intrigen, königlicher Feiern und tragischer Wendungen, die die Geschichte Frankreichs prägten. Von seiner Entstehung bis zu seiner heutigen Funktion als „Musée national de la Renaissance“ hat das Schloss einen bemerkenswerten Wandel vollzogen, der es zu einem bedeutenden Teil des französischen Erbes gemacht hat.




Anne de Montmorency und die Blüte der französischen Renaissance

Das Château d'Écouen erhebt sich malerisch auf einem Hügel mit weiten Blicken über die „Plaine de France“ und zählt zu den herausragendsten Beispielen der französischen Renaissancearchitektur. Der Bau des Schlosses begann 1538, als das Land von den Ideen der italienischen Renaissance beeinflusst wurde, unter der Leitung von Anne de Montmorency (1493-1567), dem Connétable von Frankreich, einem der einflussreichsten Adligen seiner Zeit. Anne de Montmorency ließ die mittelalterliche Festung, die zuvor auf diesem Gelände stand, abreißen, um hier eine Residenz zu errichten, die seiner Macht und seinem hohen Rang als militärischer Führer und enger Vertrauter der Könige Franz I. und Heinrich II. gerecht wurde.

Die Familie Bouchard de Montmorency, die ursprünglich das Land besaß, hatte hier bereits seit dem 12. Jahrhundert eine Festung errichtet, die zur Kontrolle der umliegenden fruchtbaren Ackerflächen und strategisch wichtigen Handels- und Militärwege diente.

Für Anne de Montmorency, der zu dieser Zeit über mehr als 130 Schlösser und 600 Lehen im ganzen Königreich verfügte, sowie zwei Residenzen in Paris, darunter sein Hotel in der Rue Sainte-Avoye, war das Château d'Écouen weit mehr als nur eine private Residenz, die auch seine Leidenschaft für Kunst und Kultur widerspiegelte.

Der ursprüngliche Entwurf für das Schloss stammt aus dem Jahr 1538 und wurde von einem unbekannten Architekten erstellt. Der Bau des Anwesens begann mit der Errichtung eines quadratischen Grundrisses, der durch vier rechteckige Pavillons an den Ecken strukturiert wurde, was dem Gebäude eine klare und prächtige Form verlieh. Doch nach der politischen Krise, die Anne de Montmorency 1541 betraf, änderte sich sein Engagement für das Projekt. In dieser Zeit zog sich Montmorency vorübergehend aus dem politischen Leben zurück, doch der Verlust seiner Position als Connétable ließ ihm Raum, sich intensiv den Bauarbeiten zu widmen. So nahm er die Kontrolle über das Bauvorhaben selbst in die Hand und sorgte dafür, dass das Schloss in seiner späteren Form vollendet wurde. Als Heunrchi II. 1547 den Thron bestieg und Montmorency wieder an den Hof berief, war dies der Moment, in dem der Connétable die Gelegenheit ergriff, das Schloss weiter umzubauen. Dabei integrierte er königliche Appartements und verwandelte das Château d'Écouen in eine Art Königshof, der die Pracht und das Ansehen seiner Familie widerspiegelte und den hohen Status der Monarchie unterstützte.

In dieser Phase war es insbesondere der Architekt Jean Bullant (ca. 1515-1578), der für die Fertigstellung des Nordflügels verantwortlich war, in dem später Heinrich II. und Katharina von Medici residierten. Bullant, ein anerkannter Architekt der Renaissance, hatte bereits zahlreiche bedeutende Bauwerke entworfen, darunter den berühmten Palais des Tuileries. Darüber hinaus trug der Bildhauer Jean Goujon, bekannt für seine eleganten Skulpturen, zur Gestaltung des Schlosses bei. Die königlichen Räume, einschließlich eines großzügigen Säulengangs im Süden, wurden so ausgestattet, dass sie Platz für die prächtigen Geschenke von Heinrich II. boten, darunter die berühmten Michelangelo-Skulpturen „Der sterbende Sklave“ und „Der aufständische Sklave“.

Die Ausstattung des Schlosses selbst war ein wahres Meisterwerk der Kunstfertigkeit. Vom edlen Marmor über prächtige Glasmalereien und Skulpturen bis hin zu Textilien, Wandteppichen und Keramiken war das Château ein Ort des luxuriösen künstlerischen Ausdrucks. Die Bemühungen Montmorencys, nicht nur ein funktionales Schloss, sondern ein kulturelles Zentrum zu schaffen, führten zu einer nahezu vollständigen Integration aller wichtigen Kunstformen der Renaissance.

Der Bau des Château d'Écouen dauerte bis 1555.



Ein königlicher Rückzugsort

Das Château d'Écouen entwickelte sich rasch zu einem bevorzugten Rückzugsort für Heinrich II., der regelmäßig hier verweilte und die majestätische Atmosphäre des Schlosses genoss. Im Juni 1558 fand im Château eine prächtige Hochzeit statt, bei der Heinrich de Montmorency, der zweite Sohn von Anne de Montmorency, seine erste Frau Antoinette de La Marck heiratete. Diese war die Enkelin von Diane de Poitiers, der berühmten und einflussreichen Favoritin von Heinrich II., deren Verbindung zum Königshof stets eine bemerkenswerte Rolle gespielt hatte. Doch nicht nur festliche Ereignisse prägten die Geschichte des Château d'Écouen. Im selben Jahr wurde hier auch das berüchtigte „Édit d'Écouen“ verkündet, das die Grundlage für die brutale Verfolgung der Hugenotten legte und somit den Beginn der verheerenden französischen Religionskriege einleitete, die das Land jahrzehntelang in blutige Konflikte stürzten.

Trotz seiner Bedeutung als Ort für gesellschaftliche Ereignisse und königliche Feiern war das Château d'Écouen auch eng mit tragischen Momenten der Geschichte verknüpft. Anne de Montmorency, fiel im November 1567 in der Schlacht von Saint-Denis, wo er das königliche Heer anführte. Zwei Jahre später starb sein Sohn François de Montmorency im Château d'Écouen.

Die Geschichte des Schlosses nahm eine dramatische Wendung im Jahr 1632, als Heinrich II. de Montmorency, der Enkel von Anne de Montmorency, zum Symbol des Widerstands gegen die zunehmende Macht des Kardinals Richelieu und der absolutistischen Monarchie wurde. Er stellte sich offen gegen die Politik Richelieus und schloss sich einem Aufstand an, der jedoch scheiterte und ihm den Verrat des königlichen Hofes einbrachte.

Trotz seiner früheren Verdienste als Militärführer und seiner Verbindung zur königlichen Familie wurde er gefangen genommen und nach einem kurzen Prozess 1632 in Toulouse öffentlich geköpft. Nach der Hinrichtung von Heinrich II. de Montmorency wurde das Schloss beschlagnahmt und ging in den Besitz des Königs über. Ludwig XIII. übergab es schließlich an Charlotte d'Angoulême, Halbschwester von Heinrich II. Montmorency, doch ihre Nachkommen verkauften das Anwesen im Jahr 1696 an die Familie Condé, die bereits das Château de Chantilly besaß. Diese behielt das Anwesen bis zur Französischen Revolution.


   


   

   




Vom königlichen Rückzugsort zur Schule der Légion d’Honneur

Die Condé führten einige Veränderungen am Schloss durch, darunter eine Umgestaltung des Parks, die von Jules Hardouin-Mansart durchgeführt wurde. Der eigentliche Niedergang des Schlosses begann mit der Zerstörung der östlichen Flügel im Jahr 1787, um einen besseren Blick auf die umliegende Landschaft zu ermöglichen. Bei dieser Zerstörung gingen wertvolle Kunstwerke verloren, darunter Fresken von Nicolo dell'Abbate und Bodenbeläge von Masséot Abaquesne, von denen einige Überreste erst viel später, sowohl im Wald als auch in der Stadt, wiederentdeckt wurden.

Während der Französischen Revolution wurde das Château d'Écouen beschlagnahmt. Das einst prächtige Anwesen diente zunächst als Krankenhaus, später als Militärgefängnis und schließlich als Versammlungsort für einen patriotischen Club, wodurch es seine Rolle als nobles Residenzschloss völlig einbüßte.

Im Jahr 1805, während der Herrschaft Napoléons, erlangte das Château eine neue Funktion, als es zur Ausbildungsstätte für Töchter von hohen Persönlichkeiten der „Légion d'Honneur“ umgestaltet wurde. Zwei Jahre nach dieser Umnutzung wurde ein neuer, niedrigerer Gebäudeflügel hinzugefügt, um die durch Umbauten beschädigten Teile zu ersetzen.

Mit der Rückkehr der Bourbonen im Jahr 1814 wurde das Château wieder in den Besitz der Familie Condé überführt. Diese behielt es bis zum Aussterben ihres Zweigs im Jahr 1830. Danach wechselte das Schloss erneut seine Bestimmung, und in der Mitte des 19. Jahrhunderts, unter Napoleon III., zog die „Légion d'Honneur“ wieder in das Gebäude ein, wo sie mehr als hundert Jahre lang bleiben sollte, bis sie 1962 schließlich umzog.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts ließ Eugène de Beauharnais, Adoptivsohn von Napoleon Bonaparte, im Schlosspark eine besondere Sehenswürdigkeit entstehen, die „Fontaine Hortense“, die ein weiteres historisches Element im Park des Schlosses darstellt. Das Château selbst wurde 1862 als historisches Denkmal anerkannt. Im Jahr 2007 wurde das gesamte Areal des Schlosses, einschließlich der benachbarten Kirche Saint-Acceul und der umliegenden Wälder, als Monument historique eingetragen.

Während dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870, in dem Frankreich eine Niederlage erlitten hatte, begann man mit dem Bau eines Verteidigungsrings rund um Paris. So entstand auch das Fort d'Écouen, eine polygonale Festungsanlage, die über 300 Soldaten und 22 Kanonen aufnehmen konnte. Heute sind noch viele Spuren dieses Forts zu sehen, das 2007 ebenfalls in das Verzeichnis der historischen Denkmäler aufgenommen wurde.




Das Château d'Écouen als Museum der Renaissance

Im Jahr 1962 verließ die „Maison d’Éducation“ das Château d’Écouen, und das Gebäude wurde dem Ministerium für Kulturangelegenheiten übergeben. André Malraux, der zu dieser Zeit das kulturelle Erbe Frankreichs verwaltete, suchte nach einem geeigneten Ort, um die nationalen Renaissance-Sammlungen auszustellen. Diese waren bislang aufgrund von Platzmangel im Hôtel de Cluny untergebracht.

Nach umfangreichen Renovierungen wurde das Château 1977 als „Musée national de la Renaissance“ eröffnet. Die feierliche Eröffnung erfolgte durch Präsident Valéry Giscard d'Estaing, der damit dem neuen Museum einen offiziellen Rahmen verlieh.

Das Château d'Écouen wurde so zum einzigen Museum in Frankreich, das vollständig der Renaissance gewidmet ist. Es zeigt in 32 Sälen nicht nur Werke der französischen Malerei und Skulptur, sondern auch Möbel, Textilien und dekorative Kunstgegenstände wie Rüstungen und Porzellan aus dieser Zeit. Die Sammlung umfasst mehr als 15.000 Exponate, die sowohl französische als auch europäische Kunst und Handwerkskunst abdecken.





Nützliche Informationen

Adresse:
Musée National de la Renaissance
Rue Jean Bullant, 95440 Ecouen

Anreise:
Abfahrt Gare du Nord, Linie H, Station Ecouen-Ezanville. Dann ca. 20 Minuten zu Fuß.
Autobahn A1 von der Porte de la Chapelle aus, Ausfahrt Francilienne (N104) Richtung Cergy-Pontoise, dann die Ausfahrt Ecouen (RD316) nehmen.
Ein Parkplatz steht gratis zur Verfügung.

Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 26 Jahre und für alle Besucher jeden ersten Sonntag des Monats.
Normaltarif 5€. (Momentan gilt 
der ermäßigte Eintrittspreis (3,50€), aufgrund der Restaurierungsarbeiten an den Fassaden zum Innenhof.

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