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Das Panthéon – Ruhmeshalle der großen Frauen und Männer Frankreichs

Mitten im Pariser Quartier Latin erhebt sich eines der bedeutendsten Monumente der französischen Geschichte. Ursprünglich als Kirche für die heilige Geneviève geplant, wurde das Bauwerk schon kurz nach seiner Fertigstellung zum symbolischen Tempel der Nation.

Das Panthéon ist heute eine nationale Ruhmeshalle und zugleich ein Ort des Gedenkens, der vom Centre des monuments nationaux verwaltet wird. Hier ehrt Frankreich jene Persönlichkeiten, die das Land durch ihr Wirken geprägt haben. Schriftsteller, Wissenschaftler, Politiker und Widerstandskämpfer fanden in diesem monumentalen Bauwerk ihre letzte Ruhestätte.



Vom Gelübde eines Königs zum Monument der Republik

Die Geschichte des Panthéons beginnt im Jahr 1744. Während des Österreichischen Erbfolgekriegs erkrankte König Ludwig XV. schwer und er gelobte der heiligen Geneviève, der Schutzpatronin von Paris, eine neue Kirche zu errichten, sollte er wieder gesund werden. Tatsächlich erholte sich der König, und sein Versprechen führte schließlich zum Bau einer neuen Kirche auf dem Hügel der Sainte-Geneviève.

Mit dem Projekt beauftragte Ludwig XV. (1710-1774) den damals noch wenig bekannten Architekten Jacques Germain Soufflot (1713-1780). Diese Wahl erfolgte auf Empfehlung von Vandières, dem Marquis de Marigny, der als einflussreicher Kunstförderer galt und zugleich der Bruder der berühmten königlichen Favoritin Madame de Pompadour war.

Soufflot verband klassische Formen der Antike, unter anderem die Fassade des Pantheons in Rom, mit der Eleganz der französischen Architektur des 18. Jahrhunderts. Sein Entwurf sollte mit den großen europäischen Kirchen konkurrieren können, so entschied er sich für einen Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes mit einer imposanten Kuppelkonstruktion, die dem Gebäude bis heute sein charakteristisches Aussehen verleiht und das Panorama des linken Seineufers prägt.

Dieses Modell findet man nicht nur in der religiösen Architektur, sondern auch im Château de Chambord aus dem 16. Jahrhundert. In der katholischen Kirche taucht dieser Kreuztyp im Markusdom in Venedig aus dem 10. Jahrhundert auf.

Im September 1764 wurde schließlich der Grundstein vom König persönlich gelegt.
Jacques Germain Soufflot widmete einen großen Teil seines Lebens diesem ehrgeizigen Bauprojekt, doch er erlebte die Vollendung seines Werkes nicht mehr. Er starb im Alter von 67 Jahren, noch bevor die Kirche fertiggestellt wurde. Die Arbeiten wurden daraufhin von seinem Mitarbeiter Maximilien Brébion und seinem Schüler Jean Baptiste Rondelet weitergeführt.

Als der Bau im Jahr 1790 abgeschlossen wurde, befand sich Frankreich bereits mitten in der Revolution. Die politischen Umwälzungen verliehen dem Gebäude schnell eine völlig neue Bedeutung. Schon ein Jahr später beschloss die Nationalversammlung, die Kirche in eine nationale Ruhmeshalle umzuwandeln. Fortan sollte sie den großen Persönlichkeiten der Nation gewidmet sein. Mit dem Tod des Revolutionärs Mirabeau begann die Tradition der sogenannten „Panthéonisation“.

Die Revolution führte auch zu einer radikalen Anpassung der Architektur. Zwischen 1791 und 1793 wurde das Gebäude von Quatremère de Quincy umfassend umgestaltet. Die beiden ursprünglich geplanten Türme wurden entfernt und die 39 Fenster des Mittelschiffs zugemauert, wodurch die von Soufflot geplante lichtdurchflutete Ästhetik des Tempels endgültig verloren ging. So erhielt das Panthéon seine heutige Erscheinung.
Über dem Giebel ist die Devise zu lesen: ‚Den großen Männern, das dankbare Vaterland‘.


Voltaire und Jean-Jacques Rousseau wurden in den Jahren 1791 beziehungsweise 1794 in das Panthéon aufgenommen. Damit ehrte die junge Republik zwei der bedeutendsten Denker der Aufklärung, deren Ideen großen Einfluss auf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit hatten. Am 21. Juli 1794 wurde Mirabeau wieder aus dem Panthéon entfernt, nachdem seine geheime Korrespondenz mit dem König bekannt wurde.

Nur wenige Jahre später änderte sich jedoch erneut die Bestimmung des Gebäudes. Im Jahr 1806 entschied Napoleon Bonaparte, das Bauwerk wieder der katholischen Kirche zu übergeben. Die unterirdische Krypta behielt jedoch ihre Funktion als Grabstätte. Dort sollten fortan bedeutende Persönlichkeiten des Kaiserreichs ihre letzte Ruhestätte finden.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wechselte das Gebäude mehrfach zwischen kirchlicher und staatlicher Funktion. Erst 1885, nach der spektakulären Trauerfeier für den Schriftsteller Victor Hugo, wurde das Panthéon endgültig zur nationalen Gedenkstätte Frankreichs.



Architektur, Skulptur und republikanische Werte

Das Panthéon misst 110 Meter in der Länge und 84 Meter in der Breite. Die Hauptfassade wird von einem Portikus mit korinthischen Säulen dominiert, darüber thront ein dreieckiger Fronton, den David d’Angers zwischen 1788 und 1856 gestaltete. Im Zentrum dieses Frontons symbolisiert die Patrie die Freiheit, während rechts die Wissenschaften und links die Geschichte dargestellt sind. Für den Bau wurden hauptsächlich Steine aus dem Pariser Becken verwendet. Die unteren Teile stammen aus den Steinbrüchen von Arcueil und zeichnen sich durch ihre feine Körnung und Härte aus. Für die Ecken des Frontons wurden aus Conflans-Sainte-Honorine zwei besonders große Blöcke gewonnen. Ab 1874 erhielt das Gebäude zudem eine reichhaltige dekorative Ausstattung mit monumentalen Gemälden, die Szenen aus dem Leben der heiligen Geneviève zeigen.



Die Skulpturengruppe „La Convention Nationale“, die eigentlich für die Jardins des Tuileries vorgesehen war, wurde auf Wunsch der Republik im frühen 20. Jahrhundert anstelle des ursprünglichen Altars im Chorraum installiert und ist ein monumentales Manifest republikanischer Ideale. Die Arbeit des Bildhauers François‑Léon Sicard zeigt im Zentrum die allegorische Figur der Marianne, die die Republik verkörpert. Sie thront über der Inschrift „Vivre libre ou mourir“. Links von ihr stehen Abgeordnete, die ihren Eid leisten, rechts sind republikanische Soldaten unter Führung des Generals Hoche dargestellt. Dieses Ensemble feiert die Revolution und die Republik, es ist nicht bloß dekorativ, sondern ein Ausdruck des Gedenkens an den historischen Moment, als die Nationalversammlung erneuert und die Republik etabliert wurde. Es erinnert an Mut, Einheit und Freiheit als zentrale Werte der französischen Nation.



Die Krypta und ihre berühmten Bewohner

Unter der monumentalen Halle erstreckt sich die Krypta, des Panthéons. In diesen weit verzweigten, unterirdischen Gewölben ruhen zahlreiche Persönlichkeiten, die Frankreichs Geschichte geprägt haben. Der Rundgang durch die Krypta führt an den Grabstätten einiger der bekanntesten Namen der französischen Kultur, Wissenschaft und Politik vorbei.

Zu ihnen gehören der Philosoph Voltaire und sein Zeitgenosse Jean Jacques Rousseau, deren Ideen die Aufklärung entscheidend beeinflussten. Auch der Schriftsteller Victor Hugo fand hier seine letzte Ruhestätte. Seine Werke gehören bis heute zu den bedeutendsten der französischen Literatur. Ebenfalls als herausragender Schriftsteller wird Émile Zola geehrt. Im Jahr 2002 nahm Präsident Jacques Chirac Alexandre Dumas feierlich ins Panthéon auf, um den 200. Geburtstag des Schriftstellers zu würdigen.

Politische Persönlichkeiten sind ebenfalls vertreten. Im Jahr 1894 wurde nach seiner Ermordung durch einen Anarchisten Sadi Carnot in das Panthéon aufgenommen. Bis heute ist er der einzige Präsident der Französischen Republik, der im Panthéon seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Jean Jaurès, sozialistischer Politiker, wurde nach seiner Ermordung zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1924 ins Panthéon überführt. Jean Monnet, Ökonom und einer der Väter der Idee einer Europäischen Union, wurde 1988, hundert Jahre nach seiner Geburt, in das Panthéon aufgenommen.
Auch der Widerstandskämpfer Jean Moulin wurde hier beigesetzt. Er gilt als eine der wichtigsten Symbolfiguren der französischen Résistance während des Zweiten Weltkriegs.

Louis Braille (1809–1852), Lehrer und Erfinder der Blindenschrift, wurde anlässlich des hundertsten Todestages 1952 im Panthéon beigesetzt und gilt bis heute als Symbol für Bildung und Inklusion.



Eine späte Anerkennung für Frauen

Die Krypta beherbergt außerdem das Grab der Wissenschaftlerin Marie Curie und ihres Mannes Pierre. Sie war eine Pionierin der Radioaktivitätsforschung und erhielt als erste Person zwei Nobelpreise in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Lange Zeit war das Panthéon tatsächlich fast ausschließlich Männern vorbehalten. Erst 1995 wurde mit der Wissenschaftlerin Marie Curie erstmals eine Frau in das Monument aufgenommen. Die Aufnahme bedeutender Frauen ist zu einem wichtigen Zeichen der Anerkennung geworden.

Auch Geneviève de Gaulle Anthonioz und Germaine Tillion wurden für ihren Mut im Widerstand gegen die deutsche Besatzung geehrt. Eine weitere bedeutende Persönlichkeit ist Simone Veil. Sie überlebte das Konzentrationslager Auschwitz und setzte sich später als Politikerin für die Rechte der Frauen ein, darunter das Gesetz zur Legalisierung der Abtreibung.

Im Jahr 2021 wurde außerdem die Künstlerin und Aktivistin Joséphine Baker, als erste schwarze Frau, symbolisch in das Panthéon aufgenommen. Sie war nicht nur eine berühmte Tänzerin und Sängerin, sondern engagierte sich während des Zweiten Weltkriegs auch im französischen Widerstand.

Jede dieser „Panthéonisation“ ist eine nationale Zeremonie, die zeigt, welche Werte und Leistungen Frankreich besonders ehrt. Die Würdigung der Persönlichkeiten zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Manche erhalten einen Gedenkstein, wie im Fall von Joséphine Baker, während andere, wie Aimé Césaire, durch eine feierliche Inschrift geehrt werden.

Insgesamt gibt es 81 Grabstätten, in denen große Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden haben. 35 von ihnen wurden offiziell von der Republik geehrt, während 42 weitere als Würdenträger des Ersten Kaiserreichs bestattet sind. Darüber hinaus befinden sich vier Personen in der Krypta, obwohl keine formelle „Panthéonisierung“ beschlossen wurde. Die Auswahl der Persönlichkeiten, die ins Panthéon aufgenommen werden, unterliegt seit Beginn der Fünften Republik im Jahr 1958 dem Präsidenten der Republik.


Ein wissenschaftlicher Meilenstein unter der Kuppel

Unter der gewaltigen Kuppel hängt das berühmte Foucaultsche Pendel. Der französische Astronom und Physiker Léon Foucault (1819-1868), Erfinder des Gyroskops (Kreiselinstrument), führte hier 1851 ein öffentliches Experiment durch, um die Rotation der Erde sichtbar zu machen.

Für das Pendel befestigte er am höchsten Punkt der Kuppel ein langes Drahtseil mit einer schweren Metallkugel, die stundenlang frei schwingen konnte. Während das Pendel in einer festen Ebene schwingt, bewegt sich die Erde darunter weiter, wodurch sich die scheinbare Richtung der Schwingung im Laufe der Zeit verändert. Dieses einfache, aber eindrucksvolle Experiment lieferte einen der ersten direkten Beweise für die Erdrotation.

Dank seiner zahlreichen Beiträge zur experimentellen Physik erhielt Foucault später ein Stelle am Pariser Observatorium und zahlreiche internationale Auszeichnungen. Sein Name ist zudem auf dem Eiffelturm verewigt. Das Pendel wurde mehrfach neu installiert, zuletzt 1995, und gehört heute zu den Höhepunkten eines Besuchs, da es Wissenschaft und Architektur auf eindrucksvolle Weise verbindet.

Lange Zeit galt das Panthéon als der höchste Punkt von Paris. Von der Fertigstellung des Gebäudes im Jahr 1790 bis zum Bau des Eiffelturms im Jahr 1889 dominierte seine Kuppel die Silhouette der Stadt.

Das Panthéon erinnert daran, dass eine Nation nicht nur aus Ereignissen besteht, sondern vor allem aus den Menschen, die sie geprägt haben.

   


   





Nützliche Informationen

Adresse:
Place du Panthéon, 75005 Paris

Anreise:
Metro Linie 7, Station Place Monge oder Linie 10, Station Cardinal Lemoine
RER B, Station Luxembourg

Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 25 Jahre oder mit der Karte "Passion Monuments".
Normaltarif 16 € / 13€ (mittwochs und vom 1. Oktober bis 31. März)
Kombiticket: Panthéon & Basilika Saint-Denis 26 €.

Internetseite:
https://www.paris-pantheon.fr/

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