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L’Escargot Montorgueil – Geschichte einer Tradition und des Wandels

Das Restaurant L’Escargot Montorgueil ist nicht nur ein kulinarischer Treffpunkt, sondern auch ein lebendiges Stück Pariser Geschichte im Herzen der Stadt. Mit seinen Wurzeln, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, hat es sich im Laufe der Zeit zu einer Ikone der französischen Gastronomie entwickelt. Besonders prägend für das Restaurant sind die Veränderungen, die es im Laufe der Jahre durchlief, ohne dabei seine traditionelle Identität zu verlieren. Die enge Verbindung zum Viertel der Rue Montorgueil und zu den kulinarischen Traditionen der Region machen das Restaurant zu einem einzigartigen Bestandteil der Pariser Gastronomiegeschichte.

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Ursprünge und Namensgeschichte

Das Restaurant, das heute als L’Escargot Montorgueil bekannt ist, geht auf ein Haus zurück, dessen Ursprünge unterschiedlich datiert werden. Während einige Quellen eine Gründung bereits im Jahr 18302 nennen, bezieht sich diese wahrscheinlich auf ein früheres Lokal mit dem Namen L’Escargot d’Or an gleicher Stelle.
Das heutige Gebäude entstand erst 1875, als die Weinhändler Mignard und Bourreau das Anwesen übernahmen und dort ein neues Restaurant eröffneten.
Von Beginn an profitierte der Betrieb von seiner Lage in einem der geschäftigsten Viertel von Paris, in unmittelbarer Nähe zu den Halles, dem zentralen Markt der Stadt. Es wurde zu einem Treffpunkt für Händler, Arbeiter und später auch für ein breiteres Publikum.

Um 1900 übernahm Théodore Lecomte die Leitung des Restaurants und verfolgte das Ziel, das Haus stärker auf eine wohlhabendere und anspruchsvollere Kundschaft auszurichten. Zu diesem Zweck ließ er umfangreiche Renovierungsarbeiten durchführen und legte besonderen Wert auf eine repräsentative Ausstattung.

Im Jahr 1919 ging das Restaurant in den Besitz von André Terrail über, der bereits kurz zuvor das Restaurant Tour d’Argent erworben hatte. Unter seiner Leitung wurde die Entwicklung fortgesetzt, sowohl im kulinarischen als auch im gestalterischen Bereich. Eine besondere Rolle spielte dabei der Koch François Lespinas, der schon für den König von Ägypten gearbeitet hatte und das Menü des Restaurants bereicherte.

In den 1920er-Jahren wurde der Eingangsbereich neu gestaltet, um ein eleganteres Publikum zu empfangen. Zudem ersteigerte Terrail eine bemalte Decke des Malers Georges Jules Victor Clairin, die ursprünglich für Sarah Bernhardt geschaffen worden war und integrierte diese in sein Restaurant.

Seit der Belle Époque genießt das Restaurant einen ausgezeichneten kulinarischen Ruf, der es zu einer festen Institution im Pariser Gastronomieleben machte.

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Tradition trifft auf Innovation

Als André Terrail sich aus dem Geschäftsleben zurückzog, übernahm seine Tochter die Leitung des Restaurants. Sie ließ eine Erweiterung Richtung Rue Etienne Marcel vornehmen, doch durch den Umzug der Halles nach Rungis erlebte das Restaurant einen schleichenden Rückgang und der Anbau wurde wieder entfernt.
Auch das Interesse an der traditionellen bürgerlichen Küche ließ nach.

2005 übernahm der renommierte Koch Laurent Couegnas, gemeinsam mit dem ehemaligen Yahoo-Europe-Manager Denis Jamet, die Leitung des historischen Pariser Restaurants. Ihr Ziel war es, das historische Restaurant nicht nur zu restaurieren, sondern auch neu zu beleben, indem sie seine lange Geschichte mit einem modernen gastronomischen Menü kombinierten.

Um das historische Flair des Lokals zu bewahren, investierten sie in eine umfangreiche Restaurierung der Innenräume, bei der Malerei, Holzverarbeitung und Metallarbeiten sorgfältig aufgearbeitet wurden. Dies ermöglichte es, das authentische Ambiente des Hauses zu erhalten, das für seine Architektur und die klassisch französische Atmosphäre bekannt ist.

Gleichzeitig setzten sie auf eine frische, moderne Küche bei der Laurent Couegnas traditionelle französische Rezepte aufgriff und mit innovativen Ideen kombinierte. Besonders die Schnecke, das Markenzeichen des Restaurants, wurde auf kreative Weise neu interpretiert, mit überraschenden Kombinationen wie Trüffel, Fois Gras oder Roquefort.
Dies brachte nicht nur die treue Pariser Stammkundschaft zurück, sondern zog auch internationale Gäste an.

2013 übernahm die Familie Laporte das Restaurant und führte es mit dem Küchenchef Stéphane Mangin weiter, der das kulinarische Erbe pflegte und die Küche modernisierte.
Eva-Louise Laporte entwickelte eine saisonal abgestimmte Karte, mit Gerichten wie Frösche, Boeuf Bourguignon, Teigpasteten oder Filet de Bœuf Rossini.

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Kulinarisches Profil und gastronomischer Ruf

Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Restaurant zu einer festen Adresse für die klassische französische Küche. Die Schnecke wurde zum zentralen Element und blieb es über die Jahrzehnte hinweg. Sie wurde traditionell mit viel Butter und Knoblauch zubereitet, und galt nicht selten als Speise mit aphrodisischer Wirkung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fanden auch Austern ihren Platz auf der Karte, wodurch zwei typische Produkte des Viertels miteinander verbunden wurden.

Das Restaurant wurde zu einem wichtigen gesellschaftlichen Ort, insbesondere während der Belle Époque und der 1920er-Jahre. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten zählten zu den Gästen, darunter Marcel Proust, Sarah Bernhardt, Jean Cocteau, Pablo Picasso, Salvador Dalí und Charlie Chaplin.
Diese prominente Kundschaft trug wesentlich dazu bei, den Ruf des Hauses als kulturellen und gastronomischen Treffpunkt zu festigen.

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Architektur, Denkmalschutz und Innenausstattung

Ein wesentlicher Teil der Faszination des Hauses liegt in seiner weitgehend erhaltenen historischen Gestaltung. Das Gebäude vereint Elemente aus der Bauphase von 1875 mit späteren Ergänzungen um 1900.
Die Räume im Erdgeschoss, die Fassade mit ihrer markanten Gestaltung sowie zahlreiche dekorative Details stehen seit dem 12. Juni 1998 unter Denkmalschutz.

Im Inneren finden sich typische Merkmale des Second-Empire-Stils mit aufwendig gearbeiteten Holzverkleidungen, Spiegeln, Kronleuchtern und kunstvollen Glasarbeiten, die das Erscheinungsbild prägen. Eine holzgetäfelte Eingangshalle mit Empore führt in zwei Bereiche, die durch eine halbhohe Trennwand gegliedert sind. Dahinter befindet sich eine Wendeltreppe aus bemaltem Metall, die um 1900 entstanden ist und zu drei privaten Salons führt, darunter die Windsor Loge und der berühmte Salon Sarah Bernhardt.


Die Rue Montorgueil als wirtschaftliche Lebensader

Die Rue Montorgueil ist eine der ältesten Straßen von Paris und war schon im Mittelalter Teil einer wichtigen Verkehrsverbindung, die Nord- und Südparis miteinander verband. Sie liegt in der Verlängerung einer alten Pariser Straße, dem Chemin des Poissonniers, auch Chemin de la Marée genannt. Diese Route existierte bereits 1307 und wurde über viele Jahrhunderte hinweg genutzt, um Meeresfrüchte aus den nordfranzösischen Häfen wie Dieppe oder Boulogne-sur-Mer nach Paris zu transportieren. Die Waren wurden in sogenannten „chasse-marées“ (Fischkonvois) zu den Markthallen der Stadt gebracht. Besonders Austernhandel florierte in dieser Gegend.

Die Öffnung der Porte Poissonnière im Jahr 1645, ein Tor in der Stadtmauer von Ludwig XIII., trug zur weiteren Bedeutung der Straße bei, da es den Handel mit Fisch und Meeresfrüchten aus Nordfrankreich erleichterte.

Straßen wie die Rue des Poissonniers, die Rue du Faubourg-Poissonnière und die Rue Poissonnière erinnern noch heute an diese Epoche und die zentrale Rolle, die der Fischhandel für das Viertel und die Stadt spielte.

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