Désert de Retz – Wo Ruinen, Philosophie und exotische Träume aufeinandertreffen
Nur etwa 30 Kilometer westlich von Paris verbirgt sich einer der außergewöhnlichsten Gärten Europas: das Désert de Retz. Zwischen künstlichen Ruinen, einer gigantischen zerbrochenen Säule, einer ägyptischen Pyramide und einer tatarischen Jurte entfaltet sich eine faszinierende Welt voller Symbolik, Philosophie und architektonischer Fantasie. Das Désert de Retz gilt heute als eines der bedeutendsten erhaltenen Beispiele eines sogenannten anglo-chinesischen Landschaftsgartens des 18. Jahrhunderts und zieht Kulturinteressierte aus aller Welt an.

Die abgeschiedene Lage war bewusst gewählt. Im 18. Jahrhundert bezeichnete der Begriff „Désert“ keine Wüste, sondern einen abgelegenen Ort der Ruhe und Besinnung, an dem sich Gelehrte und Aristokraten vom gesellschaftlichen Trubel zurückziehen konnten. Genau diese Idee verfolgte auch der Schöpfer des Gartens.
Das Désert de Retz entstand zwischen 1774 und 1789 als Landschaftsgarten nach dem Vorbild der damals modernen englischen Gärten. Anders als die streng geometrischen französischen Barockgärten sollte der Besucher hier auf einem inszenierten Spaziergang verschiedene Kulturen, Epochen und philosophische Ideen entdecken.
Seine Wege führten durch eine Abfolge sogenannter „Fabriques“, fantasievoller Bauwerke, die unterschiedliche Zivilisationen und Denkweisen repräsentierten. Der Rundgang sollte zum Nachdenken über Geschichte, Natur, Wissenschaft und die Stellung des Menschen in der Welt anregen.
Obwohl das Désert de Retz ursprünglich fast zwanzig sogenannte Fabriques umfasste, sind heute nur noch wenige dieser außergewöhnlichen Bauwerke erhalten.
Das bekannteste und zugleich spektakulärste Bauwerk ist die Colonne détruite, die „zerstörte Säule“. Mit ihren rund 25 Metern Höhe wirkt sie wie der Überrest eines gigantischen antiken Tempels.
Nicht weniger geheimnisvoll erscheint die pyramidenförmige Glacière, die als Eiskeller diente. Von außen erinnert sie an ein ägyptisches Grabmal und verweist auf die Begeisterung der Aufklärungszeit für die Kulturen des Orients und des Altertums. Ihre klare geometrische Form bildet bis heute einen eindrucksvollen Kontrast zur umgebenden Parklandschaft.
Zu den ältesten Fabriques des Gartens zählt der Tempel des Gottes Pan. Der kleine klassizistische Bau verweist auf die antike Mythologie und auf die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur, die für die Gartenphilosophie des 18. Jahrhunderts von zentraler Bedeutung war.
Die gotische Kirchenruine des Désert de Retz ist die einzige authentische Ruine des Anwesens. Sie geht auf die im 13. Jahrhundert errichtete Kapelle des ehemaligen Dorfes Saint-Jacques-de-Retz zurück, die bereits ab dem frühen 16. Jahrhundert aufgegeben wurde, als die Gläubigen zur nahegelegenen Abtei von Joyenval wechselten.
Neben der Maison Chinoise gingen im Laufe der Zeit weitere Fabriques verloren. Dazu zählen das Ermitage, die Orangerie, verschiedene Gewächshäuser, ein Obelisk, ein Grabmal sowie mehrere ländliche Gebäude.
Monville interessierte sich leidenschaftlich für Architektur, Botanik, Musik, Wissenschaft und Philosophie. Er sammelte seltene Pflanzen aus aller Welt, experimentierte mit Landschaftsgestaltung und pflegte Kontakte zu Künstlern und Intellektuellen seiner Zeit.
Am 12. September 1774 erwarb er ein Landgut in Saint-Jacques-de-Retz am Rand des Waldes von Marly. Das Anwesen umfasste zunächst eine bescheidene Landhausanlage mit rund 13 Hektar Fläche, doch in den folgenden Jahren vergrößerte er das Gelände durch weitere Käufe kontinuierlich, bis schließlich ein weitläufiges Ensemble von etwa 38 Hektar entstand.
Bereits 1775 ließ er mit dem Tempel des Gottes Pan die erste sogenannte Fabrique errichten. Damit begann die gezielte Gestaltung eines Gartens, der nicht nur der Erholung dienen sollte, sondern als inszenierte Landschaft voller symbolischer Bauwerke gedacht war. Nur wenig später, ab 1777, entstand mit der Maison chinoise das erste größere Gebäude des Ensembles. Sie diente Monville zunächst als Wohnsitz im Désert de Retz und markierte einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Gartens hin zu einem bewohnten Gesamtkunstwerk.
Im selben Jahr begann Monville zudem mit dem Aufbau seiner botanischen Sammlungen. Er ließ tausende Pflanzen aus den königlichen Baumschulen beschaffen und kultivierte in eigens angelegten Gewächshäusern eine Vielzahl exotischer und seltener Arten.
Ein entscheidender Wendepunkt folgte im Jahr 1781 mit dem Bau der Colonne détruite, die fortan als Hauptwohnsitz Monvilles diente. Parallel entstanden weitere markante Bauwerke wie die pyramidenförmige Glacière, die sogenannte Tente tartare sowie der künstliche Rocher. In dieser Phase nahm das Désert de Retz zunehmend die Gestalt eines dichten, vielschichtigen Landschaftskunstwerks an, in dem Architektur, Natur und symbolische Bedeutung eng miteinander verflochten waren.
Im Juni 1785 wurde schließlich ein von Monville selbst entworfener Gesamtplan veröffentlicht, der als eine Art endgültige Konzeption des Gartens gilt. Er sah rund zwanzig verschiedene Fabriques innerhalb des 38 Hektar großen Geländes vor. Das Désert de Retz entwickelte sich in dieser Zeit zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt, an dem Empfänge, musikalische Veranstaltungen und Theateraufführungen stattfanden und der Besucher aus dem europäischen Hochadel und der intellektuellen Elite anzog.
Der architektonische Kontrast zwischen außen und innen war bewusst inszeniert. Während die Säule von außen als Ruine erscheint, war das Innere mit großer Sorgfalt und hohem gestalterischem Anspruch ausgestattet. Marmorkamine mit Blattornamenten, Spiegel, die gezielt die umliegende Landschaft reflektierten, sowie Möbel aus Mahagoni und Vorhänge aus Toile de Jouy zeugen von einem hohen Wohnkomfort. Die Küche befand sich außerhalb des Hauptbaus in den Wirtschaftsgebäuden, die Speisen wurden über einen unterirdischen Tunnel in das Wohngebäude transportiert, der in der Kellerebene mündete.
Die französische Königin Marie-Antoinette (1755-1793) besuchte den Garten erstmals 1781 und kehrte mehrfach zurück. Sie teilte die Begeisterung ihrer Zeit für malerische Landschaftsgärten und künstliche Ruinen.
Madame du Barry (1743–1793), die letzte offizielle Mätresse von König Ludwig XV. (1710–1774), und Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842), die berühmteste Porträtmalerin ihrer Zeit und Hofmalerin Marie-Antoinettes, gehörten ebenfalls zu den bekannten Besucherinnen des Désert de Retz.
Ebenfalls zu den Besuchern gehörte Louis Philippe d’Orléans (1747–1793), der ab 1782 den Namen Philippe Égalité annahm und als Mitglied des französischen Hochadels sowie später als politisch radikalisierter Unterstützer der Revolution eine zentrale Figur der Umbruchszeit wurde.
Der schwedische König Gustaf III. (1746-1792) besichtigte die Anlage 1784 während seiner Reisen durch Europa.
Besonders interessant ist der Besuch des späteren dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson (1743-1826) im Jahr 1786. Jefferson war von der Architektur der zerstörten Säule tief beeindruckt und Historiker sehen Einflüsse des Désert de Retz in einigen seiner späteren architektonischen Projekte in Amerika.
Zu den weiteren bekannten Gästen gehörten unter anderem der Prinz de Ligne, möglicherweise Benjamin Franklin sowie zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle der Aufklärung.
Nach der Französischen Revolution wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Im 19. Jahrhundert gehörte es unter anderem dem Dramatiker Jean-François Bayard (1796–1853). Dieser hatte das Désert de Retz im Jahr 1827 erworben und nutzte es als Rückzugsort fern des Pariser Trubels. Nach seinem Tod verkaufte seine Witwe das Anwesen im Jahr 1856 an den Friedensnobelpreisträger Frédéric Passy (1822–1912). Passy und seine Ehefrau verbrachten dort rund zwölf Jahre, doch das Anwesen blieb fast ein Jahrhundert lang in der Familie, bevor es später erneut den Besitzer wechselte.
Obwohl das Gelände bereits 1941, dank des Engagements des Architekten Jean-Charles Moreux (1889–1956) und der berühmten französischen Schriftstellerin Colette (1873–1954), als historisches Monument klassifiziert wurde, verfielen viele Bauwerke zunehmend. Erst in den 1970er-Jahren begannen umfangreiche Rettungsmaßnahmen.
Eine wichtige Rolle spielte dabei der französische Kulturminister André Malraux (1901-1976), der den schlechten Zustand des Gartens öffentlich anprangerte. In den folgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche Restaurierungsprojekte durchgeführt.
2007 erwarb die Gemeinde Chambourcy das Gelände symbolisch für einen Euro. Seitdem wird das Désert de Retz schrittweise restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Spätestens seit seiner Auszeichnung als „Jardin remarquable“ im Jahr 2024 gilt das Désert de Retz wieder als das, was es schon im 18. Jahrhundert war – ein außergewöhnlicher Ort, der Natur, Architektur und Geschichte auf einzigartige Weise verbindet.

Ein verborgenes Paradies im Wald von Marly
Das Désert de Retz befindet sich in der Gemeinde Chambourcy im Département Yvelines. Die Anlage liegt am Nordrand des historischen Waldes von Marly und war ursprünglich rund 38 Hektar groß. Heute umfasst das Gelände noch etwa 17 Hektar.Die abgeschiedene Lage war bewusst gewählt. Im 18. Jahrhundert bezeichnete der Begriff „Désert“ keine Wüste, sondern einen abgelegenen Ort der Ruhe und Besinnung, an dem sich Gelehrte und Aristokraten vom gesellschaftlichen Trubel zurückziehen konnten. Genau diese Idee verfolgte auch der Schöpfer des Gartens.
Das Désert de Retz entstand zwischen 1774 und 1789 als Landschaftsgarten nach dem Vorbild der damals modernen englischen Gärten. Anders als die streng geometrischen französischen Barockgärten sollte der Besucher hier auf einem inszenierten Spaziergang verschiedene Kulturen, Epochen und philosophische Ideen entdecken.
Seine Wege führten durch eine Abfolge sogenannter „Fabriques“, fantasievoller Bauwerke, die unterschiedliche Zivilisationen und Denkweisen repräsentierten. Der Rundgang sollte zum Nachdenken über Geschichte, Natur, Wissenschaft und die Stellung des Menschen in der Welt anregen.
Obwohl das Désert de Retz ursprünglich fast zwanzig sogenannte Fabriques umfasste, sind heute nur noch wenige dieser außergewöhnlichen Bauwerke erhalten.
Das bekannteste und zugleich spektakulärste Bauwerk ist die Colonne détruite, die „zerstörte Säule“. Mit ihren rund 25 Metern Höhe wirkt sie wie der Überrest eines gigantischen antiken Tempels.
Nicht weniger geheimnisvoll erscheint die pyramidenförmige Glacière, die als Eiskeller diente. Von außen erinnert sie an ein ägyptisches Grabmal und verweist auf die Begeisterung der Aufklärungszeit für die Kulturen des Orients und des Altertums. Ihre klare geometrische Form bildet bis heute einen eindrucksvollen Kontrast zur umgebenden Parklandschaft.
Zu den ältesten Fabriques des Gartens zählt der Tempel des Gottes Pan. Der kleine klassizistische Bau verweist auf die antike Mythologie und auf die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur, die für die Gartenphilosophie des 18. Jahrhunderts von zentraler Bedeutung war.
Die gotische Kirchenruine des Désert de Retz ist die einzige authentische Ruine des Anwesens. Sie geht auf die im 13. Jahrhundert errichtete Kapelle des ehemaligen Dorfes Saint-Jacques-de-Retz zurück, die bereits ab dem frühen 16. Jahrhundert aufgegeben wurde, als die Gläubigen zur nahegelegenen Abtei von Joyenval wechselten.
Die verlorenen Fabriques des Désert de Retz
Zu den bedeutendsten verlorenen Bauwerken des Désert de Retz zählt die Maison Chinoise, die zwischen 1777 und 1778 errichtet wurde. Sie spiegelte die große Begeisterung wider, die im Europa des 18. Jahrhunderts für die Kunst und Architektur Chinas herrschte. Das Gebäude bestand aus Teakholz und ruhte auf einem steinernen Sockel. Mit seinen farbig gefassten Fassaden, den filigranen Holzverzierungen und dem geschwungenen Dach gehörte es zu den auffälligsten Bauwerken des Parks. Im Inneren befanden sich mehrere Wohnräume, darunter ein Salon und eine Bibliothek. Nach einer langen Phase des Verfalls stürzte das Gebäude Anfang der 1970er Jahre ein. Heute erinnern lediglich historische Darstellungen und einige bauliche Überreste an seine einstige Existenz.Neben der Maison Chinoise gingen im Laufe der Zeit weitere Fabriques verloren. Dazu zählen das Ermitage, die Orangerie, verschiedene Gewächshäuser, ein Obelisk, ein Grabmal sowie mehrere ländliche Gebäude.
Der Visionär hinter dem Meisterwerk
Schöpfer des Désert de Retz war François-Nicolas-Henri Racine de Monville (1734-1797), ein wohlhabender Aristokrat aus der Normandie und Vertreter der französischen Aufklärung.Monville interessierte sich leidenschaftlich für Architektur, Botanik, Musik, Wissenschaft und Philosophie. Er sammelte seltene Pflanzen aus aller Welt, experimentierte mit Landschaftsgestaltung und pflegte Kontakte zu Künstlern und Intellektuellen seiner Zeit.
Am 12. September 1774 erwarb er ein Landgut in Saint-Jacques-de-Retz am Rand des Waldes von Marly. Das Anwesen umfasste zunächst eine bescheidene Landhausanlage mit rund 13 Hektar Fläche, doch in den folgenden Jahren vergrößerte er das Gelände durch weitere Käufe kontinuierlich, bis schließlich ein weitläufiges Ensemble von etwa 38 Hektar entstand.
Bereits 1775 ließ er mit dem Tempel des Gottes Pan die erste sogenannte Fabrique errichten. Damit begann die gezielte Gestaltung eines Gartens, der nicht nur der Erholung dienen sollte, sondern als inszenierte Landschaft voller symbolischer Bauwerke gedacht war. Nur wenig später, ab 1777, entstand mit der Maison chinoise das erste größere Gebäude des Ensembles. Sie diente Monville zunächst als Wohnsitz im Désert de Retz und markierte einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Gartens hin zu einem bewohnten Gesamtkunstwerk.
Im selben Jahr begann Monville zudem mit dem Aufbau seiner botanischen Sammlungen. Er ließ tausende Pflanzen aus den königlichen Baumschulen beschaffen und kultivierte in eigens angelegten Gewächshäusern eine Vielzahl exotischer und seltener Arten.
Ein entscheidender Wendepunkt folgte im Jahr 1781 mit dem Bau der Colonne détruite, die fortan als Hauptwohnsitz Monvilles diente. Parallel entstanden weitere markante Bauwerke wie die pyramidenförmige Glacière, die sogenannte Tente tartare sowie der künstliche Rocher. In dieser Phase nahm das Désert de Retz zunehmend die Gestalt eines dichten, vielschichtigen Landschaftskunstwerks an, in dem Architektur, Natur und symbolische Bedeutung eng miteinander verflochten waren.
Im Juni 1785 wurde schließlich ein von Monville selbst entworfener Gesamtplan veröffentlicht, der als eine Art endgültige Konzeption des Gartens gilt. Er sah rund zwanzig verschiedene Fabriques innerhalb des 38 Hektar großen Geländes vor. Das Désert de Retz entwickelte sich in dieser Zeit zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt, an dem Empfänge, musikalische Veranstaltungen und Theateraufführungen stattfanden und der Besucher aus dem europäischen Hochadel und der intellektuellen Elite anzog.
Das Wahrzeichen des Désert de Retz
Das spektakulärste Bauwerk des Parks ist zweifellos die Colonne détruite, die zerstörte Säule. Sie wurde 1781 errichtet und entwickelte sich nach der Maison chinoise zur wichtigsten Residenz François de Monvilles. Mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern und einer Höhe von rund 25 Metern wirkt sie wie das Fragment eines gigantischen antiken Tempels, dessen ursprüngliche Struktur nur noch erahnt werden kann. Im Inneren verbirgt sich jedoch ein vollständig durchdachtes Wohngebäude mit mehreren Ebenen, die sich über vier Stockwerke erstrecken, die über eine Wendeltreppe erreichbar sind.Der architektonische Kontrast zwischen außen und innen war bewusst inszeniert. Während die Säule von außen als Ruine erscheint, war das Innere mit großer Sorgfalt und hohem gestalterischem Anspruch ausgestattet. Marmorkamine mit Blattornamenten, Spiegel, die gezielt die umliegende Landschaft reflektierten, sowie Möbel aus Mahagoni und Vorhänge aus Toile de Jouy zeugen von einem hohen Wohnkomfort. Die Küche befand sich außerhalb des Hauptbaus in den Wirtschaftsgebäuden, die Speisen wurden über einen unterirdischen Tunnel in das Wohngebäude transportiert, der in der Kellerebene mündete.
Die berühmten Gäste
Schon zu Lebzeiten Monvilles entwickelte sich das Désert de Retz zu einem gesellschaftlichen und kulturellen Treffpunkt der europäischen Elite.Die französische Königin Marie-Antoinette (1755-1793) besuchte den Garten erstmals 1781 und kehrte mehrfach zurück. Sie teilte die Begeisterung ihrer Zeit für malerische Landschaftsgärten und künstliche Ruinen.
Madame du Barry (1743–1793), die letzte offizielle Mätresse von König Ludwig XV. (1710–1774), und Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842), die berühmteste Porträtmalerin ihrer Zeit und Hofmalerin Marie-Antoinettes, gehörten ebenfalls zu den bekannten Besucherinnen des Désert de Retz.
Ebenfalls zu den Besuchern gehörte Louis Philippe d’Orléans (1747–1793), der ab 1782 den Namen Philippe Égalité annahm und als Mitglied des französischen Hochadels sowie später als politisch radikalisierter Unterstützer der Revolution eine zentrale Figur der Umbruchszeit wurde.
Der schwedische König Gustaf III. (1746-1792) besichtigte die Anlage 1784 während seiner Reisen durch Europa.
Besonders interessant ist der Besuch des späteren dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson (1743-1826) im Jahr 1786. Jefferson war von der Architektur der zerstörten Säule tief beeindruckt und Historiker sehen Einflüsse des Désert de Retz in einigen seiner späteren architektonischen Projekte in Amerika.
Zu den weiteren bekannten Gästen gehörten unter anderem der Prinz de Ligne, möglicherweise Benjamin Franklin sowie zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle der Aufklärung.
Wie das Désert de Retz dem Untergang entkam
Im Juli 1792 verkaufte François Racine de Monville sein gesamtes Immobilienvermögen, darunter auch das Désert de Retz, für 108 000 Livres an den Engländer Lewis Disney Fytche (1738-1828) aus Swinderby. Fytche galt als exzentrischer Eigentümer, doch bereits ein Jahr später, 1793, wurde der Besitz während der Französischen Revolution konfisziert. Monville selbst geriet in der Zeit der Terreur unter Verdacht und wurde am 17. Mai 1794 verhaftet. Man warf ihm Anglomanie und Sybaritismus (Genussucht) vor, was seine Vorliebe für englische Kultur und ein luxuriöses Leben bezeichnete. Er wurde im Hôtel Talaru inhaftiert, jedoch bereits elf Tage nach dem Sturz Robespierres am 5. August 1794 wieder freigelassen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er zurückgezogen und verstarb drei Jahre später an den Folgen eines chirurgischen Eingriffs.Nach der Französischen Revolution wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Im 19. Jahrhundert gehörte es unter anderem dem Dramatiker Jean-François Bayard (1796–1853). Dieser hatte das Désert de Retz im Jahr 1827 erworben und nutzte es als Rückzugsort fern des Pariser Trubels. Nach seinem Tod verkaufte seine Witwe das Anwesen im Jahr 1856 an den Friedensnobelpreisträger Frédéric Passy (1822–1912). Passy und seine Ehefrau verbrachten dort rund zwölf Jahre, doch das Anwesen blieb fast ein Jahrhundert lang in der Familie, bevor es später erneut den Besitzer wechselte.
Obwohl das Gelände bereits 1941, dank des Engagements des Architekten Jean-Charles Moreux (1889–1956) und der berühmten französischen Schriftstellerin Colette (1873–1954), als historisches Monument klassifiziert wurde, verfielen viele Bauwerke zunehmend. Erst in den 1970er-Jahren begannen umfangreiche Rettungsmaßnahmen.
Eine wichtige Rolle spielte dabei der französische Kulturminister André Malraux (1901-1976), der den schlechten Zustand des Gartens öffentlich anprangerte. In den folgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche Restaurierungsprojekte durchgeführt.
2007 erwarb die Gemeinde Chambourcy das Gelände symbolisch für einen Euro. Seitdem wird das Désert de Retz schrittweise restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Spätestens seit seiner Auszeichnung als „Jardin remarquable“ im Jahr 2024 gilt das Désert de Retz wieder als das, was es schon im 18. Jahrhundert war – ein außergewöhnlicher Ort, der Natur, Architektur und Geschichte auf einzigartige Weise verbindet.
Nützliche Informationen
Adresse:
Désert de Retz
Allée Frédéric Passy, 78240 Chambourcy
Anreise:
RER A Richtung Saint-Germain-en-Laye, Station Saint-Germain-en-Laye, dann mit dem Bus Linie R4 bis zum Rathaus von Chambourcy und schließlich 30 Minuten zu Fuss bis zum Garten.
Gratisparkplätze vor Ort.
Öffnungszeiten:
Das Désert de Retz ist von April bis Oktober, jedem Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet (letzter Einlass um 16:30 Uhr).
Tarife:
Freie Besichtigung (mit Audioguide)
Vollpreis: 10 €, Kinder (6 bis 17 Jahre): 6 €
Geführte Besichtigung (nur samstags)
Vollpreis: 14 €, Kinder (6 bis 17 Jahre): 8 €
Internetseite:
































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