Passage du Bourg-l'Abbé – Eine der unauffälligsten aber poetischsten Passagen von Paris
Versteckt zwischen bekannten Passagen erzählt die Passage du Bourg-l’Abbé eine leise Geschichte von Paris. Sie handelt von klösterlichen Ursprüngen, vom Aufbruch ins 19. Jahrhundert, von architektonischem Ehrgeiz, von Vergessenheit und von Wiederentdeckung. Sie wird häufig übersehen, da sie nicht durch Größe oder Prunk beeindruckt, sondern durch Zurückhaltung und eine nostalgische Atmosphäre.
Eröffnet wurde sie 1828 auf einem Gelände, das einst zur Abtei Saint-Martin-des-Champs gehörte. In dieser Zeit war sie Teil eines weit verzweigten Netzes überdachter Passagen, das sich von der Rue Saint-Denis bis zur Rue Saint-Martin erstreckte und mehrere Durchgänge miteinander verband, darunter die Passage du Grand-Cerf und die Passage de l’Ancre.
Diese Passagen boten Schutz vor Regen, Verkehr und dem Schmutz ungepflasterter Straßen. Gleichzeitig schufen sie neue Räume, die zum Flanieren und gemächlichen Spazieren einluden. Entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der Blütezeit der überdachten Einkaufspassagen, verlor die Passage du Bourg-l’Abbé im Laufe der Jahrzehnte zwar an Glanz. Ihre stille, beinahe melancholische Poesie blieb jedoch dank einer Reihe von Restaurierungsarbeiten, die 2002 begannen, erhalten.

Der Name „Bourg-l’Abbé“ leitet sich von einem einst eigenständigen Dorf ab, das dem Abt von Saint-Martin gehörte und an dieser Stelle existierte.
Eine entscheidende Veränderung erfolgte im Jahr 1863 mit dem Bau eines neuen Eingangs an der Rue de Palestro, der durch einen kleinen Platz hervorgehoben wird. Der Architekt dieses Umbaus war Jean Henri Blondel (1821 – 1897), eine prägende Figur des Pariser Städtebaus des 19. Jahrhunderts. Blondel wirkte während des großen Baubooms unter Napoleon III. und Baron Haussmann und entwarf mehr als zweihundert Gebäude. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Belle Jardinière, das Hôtel Continental, heute das Westin Paris Vendôme, sowie die Bourse de Commerce.
Für die Passage du Bourg-l’Abbé entwarf Blondel eine klassisch inspirierte Fassade mit einem Torbogen, der durch ein Ornament im Schlussstein hervorgehoben wird und als Motiv einen Bienenkorb trägt, der wirtschaftliche Aktivität symbolisiert. Zwei Karyatiden rahmen den Eingang ein und verkörpern Handel und Industrie. Der Zugang von der Rue Saint-Denis aus ist dagegen deutlich schlichter gehalten.
Die Karyatiden stammen von Aimé Millet, einem der bedeutenden Bildhauer des französischen 19. Jahrhunderts. Seine Werke sind bis heute an zentralen Orten von Paris präsent. Im Jardin du Luxembourg schuf er 1886 die Statue Phidias. Im Jardin des Tuileries ist seine Marmorskulptur „Cassandre se mettant sous la protection de Pallas“ aus dem Jahr 1877 zu sehen. Im Musée de la Vie romantique wird ein Terrakotta-Modell seiner Statue von George Sand aufbewahrt, die für das Denkmal in La Châtre bestimmt war.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die monumentale Bronzegruppe Apollon, la Poésie et la Musique, die zwischen 1860 und 1869 entstand und das Dach der Opéra Garnier krönt. Auch am Louvre ist Aimé Millet mehrfach vertreten, unter anderem mit den Skulpturen Mercure, La Vigilance, Louvois und Terpsichore.
Vor diesem Hintergrund erscheinen die Karyatiden der Passage du Bourg-l’Abbé als bewusst zurückhaltender Beitrag innerhalb seines Werkes. Sie sind weniger monumental, dafür eng mit dem Alltag der Stadt und der Funktion dieses Ortes verbunden.
Nach einem Brand in den 1990er-Jahren stand die Passage zeitweise nahezu leer. Erst als es der Eigentümergemeinschaft gelang, ausreichende Mittel zu sichern, konnte eine umfassende Sanierung in Angriff genommen werden. Zwischen 2002 und 2008 wurde die Passage vollständig restauriert. Begleitet wurden die Arbeiten von dem auf historische Metall- und Glasarbeiten spezialisierten Unternehmen „Serres et ferronneries d’antan“.
Die Arkaden der beiden unteren Ebenen beherbergen Geschäfte sowie Wohnungen im Zwischengeschoss. Gerade dort wurden bei den ab 2002 begonnenen Restaurierungsarbeiten zahlreiche originale Elemente wiederentdeckt. Dazu gehören bemalte und geriffelte Holzsäulen, dekorative Fassadenteile, sowie Spiegel in den Giebeln, die dem Raum Tiefe und Eleganz verleihen.

Mit der Werkstatt „Lulli et fils“ (Nummer 18) lebt in der Passage weiterhin traditionelles Handwerk fort. Ivan Lulli, der letzte Tischler und Kunstschreiner in klassischer Tradition in Paris, widmet sich der Restaurierung von Möbeln, der Parkettarbeit, der Holzschnitzerei und der Anfertigung maßgeschneiderter Möbelstücke. Auf diese Weise bleibt in der Passage du Bourg-l’Abbé ein Stück des handwerklich geprägten Paris lebendig und spürbar.
Eröffnet wurde sie 1828 auf einem Gelände, das einst zur Abtei Saint-Martin-des-Champs gehörte. In dieser Zeit war sie Teil eines weit verzweigten Netzes überdachter Passagen, das sich von der Rue Saint-Denis bis zur Rue Saint-Martin erstreckte und mehrere Durchgänge miteinander verband, darunter die Passage du Grand-Cerf und die Passage de l’Ancre.
Diese Passagen boten Schutz vor Regen, Verkehr und dem Schmutz ungepflasterter Straßen. Gleichzeitig schufen sie neue Räume, die zum Flanieren und gemächlichen Spazieren einluden. Entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der Blütezeit der überdachten Einkaufspassagen, verlor die Passage du Bourg-l’Abbé im Laufe der Jahrzehnte zwar an Glanz. Ihre stille, beinahe melancholische Poesie blieb jedoch dank einer Reihe von Restaurierungsarbeiten, die 2002 begannen, erhalten.

Inspiration und Wandel über die Jahre
Mit der Planung der Passage wurde 1828 der Architekt Auguste Lusson betraut. Er orientierte sich an der ein Jahr zuvor eröffneten Passage Saucède, die parallel zur Passage de l’Ancre verlief und ihr in der Fassadengestaltung stark ähnelte. Während die Passage Saucède im Zuge der großen städtebaulichen Umgestaltungen des 19. Jahrhunderts vollständig verschwand, insbesondere beim Bau der Rue de Turbigo und des Boulevard Sébastopol im Jahr 1854, blieb die Passage du Bourg-l’Abbé erhalten. Allerdings wurde sie an ihrem westlichen Ende verkürzt. Ursprünglich verband sie die Rue Saint-Denis mit der damaligen Rue du Bourg-l’Abbé.Der Name „Bourg-l’Abbé“ leitet sich von einem einst eigenständigen Dorf ab, das dem Abt von Saint-Martin gehörte und an dieser Stelle existierte.
Eine entscheidende Veränderung erfolgte im Jahr 1863 mit dem Bau eines neuen Eingangs an der Rue de Palestro, der durch einen kleinen Platz hervorgehoben wird. Der Architekt dieses Umbaus war Jean Henri Blondel (1821 – 1897), eine prägende Figur des Pariser Städtebaus des 19. Jahrhunderts. Blondel wirkte während des großen Baubooms unter Napoleon III. und Baron Haussmann und entwarf mehr als zweihundert Gebäude. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Belle Jardinière, das Hôtel Continental, heute das Westin Paris Vendôme, sowie die Bourse de Commerce.
Für die Passage du Bourg-l’Abbé entwarf Blondel eine klassisch inspirierte Fassade mit einem Torbogen, der durch ein Ornament im Schlussstein hervorgehoben wird und als Motiv einen Bienenkorb trägt, der wirtschaftliche Aktivität symbolisiert. Zwei Karyatiden rahmen den Eingang ein und verkörpern Handel und Industrie. Der Zugang von der Rue Saint-Denis aus ist dagegen deutlich schlichter gehalten.
Die Karyatiden stammen von Aimé Millet, einem der bedeutenden Bildhauer des französischen 19. Jahrhunderts. Seine Werke sind bis heute an zentralen Orten von Paris präsent. Im Jardin du Luxembourg schuf er 1886 die Statue Phidias. Im Jardin des Tuileries ist seine Marmorskulptur „Cassandre se mettant sous la protection de Pallas“ aus dem Jahr 1877 zu sehen. Im Musée de la Vie romantique wird ein Terrakotta-Modell seiner Statue von George Sand aufbewahrt, die für das Denkmal in La Châtre bestimmt war.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die monumentale Bronzegruppe Apollon, la Poésie et la Musique, die zwischen 1860 und 1869 entstand und das Dach der Opéra Garnier krönt. Auch am Louvre ist Aimé Millet mehrfach vertreten, unter anderem mit den Skulpturen Mercure, La Vigilance, Louvois und Terpsichore.
Vor diesem Hintergrund erscheinen die Karyatiden der Passage du Bourg-l’Abbé als bewusst zurückhaltender Beitrag innerhalb seines Werkes. Sie sind weniger monumental, dafür eng mit dem Alltag der Stadt und der Funktion dieses Ortes verbunden.
Niedergang, Denkmalschutz und Wiederentdeckung
Ab den 1980er-Jahren geriet die Passage zunehmend in Vergessenheit. Aufgrund mangelnder Pflege wurden viele Räume lediglich als Lager genutzt und boten kaum Anreiz für Besucher. Dennoch wurde ein Großteil des Bauwerks am 21. Januar 1991 unter Denkmalschutz gestellt. Geschützt sind unter anderem der Bodenbelag, die Glasdächer, die inneren Fassaden unterhalb der Verglasung sowie die Fassaden der angrenzenden Gebäude.Nach einem Brand in den 1990er-Jahren stand die Passage zeitweise nahezu leer. Erst als es der Eigentümergemeinschaft gelang, ausreichende Mittel zu sichern, konnte eine umfassende Sanierung in Angriff genommen werden. Zwischen 2002 und 2008 wurde die Passage vollständig restauriert. Begleitet wurden die Arbeiten von dem auf historische Metall- und Glasarbeiten spezialisierten Unternehmen „Serres et ferronneries d’antan“.
Feine Details und verlorene Geschichten
Die Passage beschreibt einen leichten Knick, misst 47 Meter in der Länge lang und ist drei Meter breit. Überspannt wird sie von einer zweigeteilten, gewölbten Glasdecke ohne tragende Dachkonstruktion, die den schmalen Raum mit Licht füllt. An den beiden Enden stehen sich eine Uhr und ein heute nicht mehr funktionierendes Barometer gegenüber.Die Arkaden der beiden unteren Ebenen beherbergen Geschäfte sowie Wohnungen im Zwischengeschoss. Gerade dort wurden bei den ab 2002 begonnenen Restaurierungsarbeiten zahlreiche originale Elemente wiederentdeckt. Dazu gehören bemalte und geriffelte Holzsäulen, dekorative Fassadenteile, sowie Spiegel in den Giebeln, die dem Raum Tiefe und Eleganz verleihen.

Lebendiges Handwerk in historischem Rahmen
Auch heute hat die Passage noch Schäden an der Glasdecke, doch die historischen hölzernen Ladenfronten tragen wesentlich zu ihrem besonderen Charme. Viele von ihnen wurden unverändert erhalten, selbst wenn ihre alten Beschriftungen nicht mehr zur aktuellen Nutzung passen. So befindet sich in einer ehemaligen Papier- und Druckwarenhandlung heute ein Raumausstatter.Mit der Werkstatt „Lulli et fils“ (Nummer 18) lebt in der Passage weiterhin traditionelles Handwerk fort. Ivan Lulli, der letzte Tischler und Kunstschreiner in klassischer Tradition in Paris, widmet sich der Restaurierung von Möbeln, der Parkettarbeit, der Holzschnitzerei und der Anfertigung maßgeschneiderter Möbelstücke. Auf diese Weise bleibt in der Passage du Bourg-l’Abbé ein Stück des handwerklich geprägten Paris lebendig und spürbar.







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