Provins – Wo das Mittelalter bis heute lebendig ist
Die Île-de-France bietet zahlreiche mittelalterliche Orte, die sich ideal für einen Tagesausflug eignen. Provins, im Département Seine-et-Marne und etwa 90 km von Paris entfernt, gilt als größte mittelalterliche Stadt der Region. Restaurierte Stadtmauern, gepflasterte Straßen, Fachwerkhäuser und bemerkenswerte Bauwerke erzählen von einer reichen Handelsgeschichte, lebhaften Jahrmärkten und versetzen Besucher unmittelbar in vergangene Zeiten. Im 12. Jahrhundert war sie nach Paris und Rouen die drittgrößte Stadt Frankreichs und hat ihre Bekanntheit vor allem den Grafen der Champagne zu verdanken. Sie liegt am Zusammenfluss der Flüsse Voulzie und Durteint und entwickelte sich ursprünglich auf einem Hügel, der ihrer strategischen Lage diente.
Seit dem Jahr 2001 zählt Provins zum UNESCO-Weltkulturerbe. Außerdem ist der Ort, neben Moret-sur-Loing und Isle-Adam, mit dem Label "100 schönsten Umwege Frankreichs" ausgezeichnet.

Bereits im 9. Jahrhundert wurde um das Castrum (das heutige Gelände der Tour César) die erste Stadtmauer errichtet. Sie umfasste den Grafenpalast und die Stiftskirche Sainte-Quiriace. Im Mittelalter gewann der Ort weiter an Bedeutung, denn ab dem 10. Jahrhundert stand Provins unter der Herrschaft der Grafen von Blois, die das wirtschaftliche Potenzial erkannten und begannen, die Siedlung gezielt auszubauen und zu befestigen.
Im 11. Jahrhundert wurde diese erste Befestigung abgerissen und erweitert, sodass sie nun auch den Place des Changes umschloss, auf dem die Messen stattfanden.
Ein Jahrhundert später zählte die Stadt nach Paris und Rouen, dank der berühmten Champagnermessen, die im Herzogtum Champagne stattfanden, zu den größten Frankreichs.
Die Grafen der Champagne prägten in dieser Blütezeit nicht nur den Wohlstand der Stadt, sondern auch ihr Aussehen. Vieles von dem, was Besucher heute sehen, stammt aus genau dieser Zeit.
Die heute sichtbaren Mauern stammen größtenteils aus dem 12. Jahrhundert und sind die letzten Reste der ursprünglichen Stadtbefestigungen, die das Messegelände schützten.
König Philipp IV., bekannt als Philipp der Schöne, (1268-1314) besuchte Provins mehrfach, unter anderem 1289 und 1298. Diese Besuche bedeuteten für die Bewohner hohe Steuerabgaben, die viele dazu veranlassten, die Stadt zu verlassen, was die einstige Blütezeit beendete. Im Oktober 1307 wurden die in Provins ansässigen Tempelritter verhaftet und in das Schloss von Melun gebracht.
Ein besonders historischer Moment für Provins ereignete sich am 3. August 1429, als der frisch gekrönte König Karl VII. (1403-1461), in Anwesenheit von Jeanne d’Arc, an einer Messe in der Stiftskirche Saint-Quiriace teilnahm.
1590 belagerte König Heinrich IV. (1553-1610) die Stadt, weil sie sich der katholischen Liga angeschlossen hatte. Die Stadt musste daraufhin eine hohe Geldstrafe zahlen und nur zwei Jahre später wurde Provins erneut für drei Tage belagert.
1617 bestätigte Ludwig XIII. (1601-1643) schließlich die Rechte der Stadt auf ihre drei berühmten Messen. Die erste, die Mai-Messe, begann einen Tag vor Christi Himmelfahrt und dauerte 46 Tage. Die zweite, die Saint-Ayoul-Messe, fand vom 14. September bis Allerheiligen statt, und die dritte, die Saint-Martin-Messe, startete am Tag des heiligen Andreas und endete Ende Dezember.
1983 stürzte ein Teil der Stadtmauern am sogenannten „Cours aux bêtes“ ein. Die umfangreichen Restaurierungs- und Wiederherstellungsarbeiten begannen 1989 und wurden schließlich 2022 abgeschlossen. Sie brachten den ursprünglichen Charakter wieder zum Vorschein.
Zwei der ursprünglichen Stadttore, die Porte Saint‑Jean und die Porte de Jouy, sind noch heute erhalten.
Der Tour César diente nicht nur als Wehrturm, er wurde auch als Glockenturm genutzt. Von den ursprünglich sechs Glocken blieb nur eine erhalten, denn fünf wurden Ende des 18. Jahrhunderts eingeschmolzen, um daraus Kanonen und Münzen herzustellen. Die Glocken der ehemaligen Kollegialkirche Saint‑Quiriace wurden im Tour César untergebracht, nachdem der Glockenturm der Kirche eingestürzt war. Heute erklingen sie regelmäßig, jeweils zu jeder vollen Stunde und 5 Minuten davor.
Vom massiven Erdgeschoss gelangt man zur Salle des Gardes und weiter in die Chambre du Gouverneur mit Kamin und mittelalterlichen Details. Oben eröffnet sich ein herrlicher Blick über die Dächer Provins und die umgebende Landschaft.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Unterirdischen Gänge für viele Zwecke genutzt. Sie dienten als Lager während der berühmten Champagner-Messen, als Zufluchtsorte und offenbar auch als geheime Treffpunkte für Freimaurer, Anhänger religiöser Kulte oder politische Dissidenten in Zeiten der Repression. Heute sind noch Graffitis und rätselhafte Symbole an den Wänden sichtbar, die von diesen geheimen Nutzungen zeugen.
Die Souterrains können nur im Rahmen einer geführten Besichtigung betreten werden, das es sich um ein wahres Labyrinth aus Gängen handelt, in dem man sich leicht verlaufen kann.
Gruppen werden auf maximal 25 Personen begrenzt und die Temperatur liegt konstant bei etwa 13 °C.
Besonders stimmungsvoll wird es bei kulturellen Sonderveranstaltungen, wie zum Beispiel den Thementouren „Légendes et Croyances“, in Zusammenarbeit mit der professionellen Theatergruppe Les Arlequins. Bei dieser Führung taucht man förmlich in die Legenden des Mittelalters ein, begleitet von einem faszinierenden Erzähler, dem sogenannten „Meneu de loups“, der Geschichten von Hexen, Feen, Drachen und Werwölfen erzählt.
Im 17. Jahrhundert änderte sich ihre Funktion. Sie diente nun als0 Speicher für die Zehnten, also die Abgaben, die Bauern an die Kirche entrichten mussten. Dieser Nutzung verdankt das Gebäude seinen heutigen Namen.
Die Grange aux Dîmes wurde bereits 1847 als historisches Denkmal klassifiziert und ist damit eines der ältesten offiziell geschützten Bauwerke der Stadt.
Heute ist die Halle ein Museum mit einer Ausstellung von Wachsfiguren, die Szenen aus dem mittelalterlichen Leben und Handel in Provins lebendig nachstellen.
Die Sammlungen stammen aus archäologischen Ausgrabungen in Provins und der Umgebung und reichen von der Urgeschichte über das Mittelalter und die Renaissance bis ins 19. Jahrhundert. Besonders beeindruckend sind die erhaltenen Stücke aus dem Schatz von Saint-Quiriace, darunter kostbare Goldschmiedearbeiten und eine außergewöhnliche Stola des heiligen Edme aus dem 13. Jahrhundert, gefertigt aus kostbarer Seide.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Skulpturen, Gemälde und seltene Alltagsobjekte, die Einblicke in das soziale Leben früherer Jahrhunderte geben.
Kurz darauf sollen Wunder und Heilungen geschehen sein, was 1048 zur Gründung eines benediktinischen Priorats führte. Die Kirche entwickelte sich schnell zu einem Wallfahrtsort, und auf ihrem Vorplatz fanden die ersten Handelsmessen von Provins statt. 1157 zerstörte ein Brand Teile des Gebäudes, das jedoch umgehend wiederaufgebaut und bis ins 16. Jahrhundert mehrfach erweitert und umgestaltet wurde, sodass ihr heutiges Erscheinungsbild eine Mischung aus verschiedenen Epochen widerspiegelt.
Die turbulenten Zeiten der Französischen Revolution hinterließen ebenfalls Spuren. Teile des Priorats wurden verkauft, einige Räume zu Wohnungen umfunktioniert und der Chor als Lager genutzt. 1828 übernahm der Staat das Gebäude und gliederte es in eine Militärkaserne ein. Erst im 20. Jahrhundert begann eine umfassende Restaurierung, die die Kirche wieder als historisches Juwel erstrahlen ließ. Heute ist Saint-Ayoul ein geschütztes historisches Denkmal, das in mehreren Schritten unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Im 17. Jahrhundert veränderte ein Brand das Erscheinungsbild der Collégiale nachhaltig. Anstelle der geplanten Gewölbe wurde eine Kuppel errichtet, die heute den Innenraum prägt.
Der Street-Art-Parcours wurde im Rahmen des 20. Jubiläums der Unesco-Weltkulturerbe-Auszeichnung von Provins ins Leben gerufen und lädt dazu ein, die Stadt auf eine ganz andere Art zu entdecken.
Dank seiner sorgfältigen Gestaltung in verschiedene Bereich mit Heil- und Kulturpflanzen, sowie der Vielfalt der Pflanzen erhielt die Roseraie 2014 das Label „Jardin Remarquable“ (bemerkenswerter Garten).
Heute findet man in Provins zahlreiche Produkte auf Rosenbasis, von Tee über Süßigkeiten bis hin zu Kosmetik.
Die „Médiévales de Provins“, ein mittelalterliches Fest, sind eines der bedeutendsten und spektakulärsten Events der Stadt, bei dem die Geschichte von Provins lebendig wird. Sie finden jährlich im Juni statt und ziehen Tausende von Besuchern aus aller Welt an.
Über ein ganzes Wochenende hinweg wird die gesamte Altstadt in ein lebendiges Mittelalterdorf verwandelt. Der Marktplatz und die Gassen füllen sich mit Händlern, Gauklern, Handwerkern, Musikern, Tänzern und Schauspielern, die in historischen Kostümen auftreten und ein buntes Spektakel bieten. Inmitten Auch Ritterturniere, Schwertkämpfe und mittelalterliche Spiele finden statt.
Am ersten Samstag im Juli und im August findet „Les Lueurs du Temps“ statt, ein magisches Ereignis, bei dem die mittelalterliche Stadt Provins auf ungewöhnliche Weise bei Kerzenschein erkundet werden kann.
Zusätzlich bietet der Pass Ermäßigungen bei ausgewählten Partnerangeboten, darunter historische Shows, der Touristenzug oder weitere kulturelle Einrichtungen. Der Pass ist ein Jahr lang gültig, wodurch die enthaltenen Besichtigungen flexibel auf mehrere Besuche verteilt werden können. Er ist sowohl online als auch vor Ort erhältlich. Der Online-Kauf ist in der Regel günstiger, zudem werden Familien ermäßigte Tarife angeboten.
Provins ist mit dem Zug Transilien, Linie P ab dem Gare de l’Est erreichbar.
Seit dem Jahr 2001 zählt Provins zum UNESCO-Weltkulturerbe. Außerdem ist der Ort, neben Moret-sur-Loing und Isle-Adam, mit dem Label "100 schönsten Umwege Frankreichs" ausgezeichnet.

Aufstieg eines europäischen Handelszentrums
Die Ursprünge von Provins reichen weit in die Antike zurück, denn bereits in gallorömischer Zeit profitierte der Ort von seiner günstigen Lage an mehreren wichtigen Verkehrswegen, die den regionalen Austausch förderten und Provins zu einem frühen Knotenpunkt für den Handel machten. Eine Route verband Soissons mit Troyes, eine weitere führte in Richtung Sens.Bereits im 9. Jahrhundert wurde um das Castrum (das heutige Gelände der Tour César) die erste Stadtmauer errichtet. Sie umfasste den Grafenpalast und die Stiftskirche Sainte-Quiriace. Im Mittelalter gewann der Ort weiter an Bedeutung, denn ab dem 10. Jahrhundert stand Provins unter der Herrschaft der Grafen von Blois, die das wirtschaftliche Potenzial erkannten und begannen, die Siedlung gezielt auszubauen und zu befestigen.
Im 11. Jahrhundert wurde diese erste Befestigung abgerissen und erweitert, sodass sie nun auch den Place des Changes umschloss, auf dem die Messen stattfanden.
Ein Jahrhundert später zählte die Stadt nach Paris und Rouen, dank der berühmten Champagnermessen, die im Herzogtum Champagne stattfanden, zu den größten Frankreichs.
Die Grafen der Champagne prägten in dieser Blütezeit nicht nur den Wohlstand der Stadt, sondern auch ihr Aussehen. Vieles von dem, was Besucher heute sehen, stammt aus genau dieser Zeit.
Die heute sichtbaren Mauern stammen größtenteils aus dem 12. Jahrhundert und sind die letzten Reste der ursprünglichen Stadtbefestigungen, die das Messegelände schützten.
König Philipp IV., bekannt als Philipp der Schöne, (1268-1314) besuchte Provins mehrfach, unter anderem 1289 und 1298. Diese Besuche bedeuteten für die Bewohner hohe Steuerabgaben, die viele dazu veranlassten, die Stadt zu verlassen, was die einstige Blütezeit beendete. Im Oktober 1307 wurden die in Provins ansässigen Tempelritter verhaftet und in das Schloss von Melun gebracht.
Ein besonders historischer Moment für Provins ereignete sich am 3. August 1429, als der frisch gekrönte König Karl VII. (1403-1461), in Anwesenheit von Jeanne d’Arc, an einer Messe in der Stiftskirche Saint-Quiriace teilnahm.
1590 belagerte König Heinrich IV. (1553-1610) die Stadt, weil sie sich der katholischen Liga angeschlossen hatte. Die Stadt musste daraufhin eine hohe Geldstrafe zahlen und nur zwei Jahre später wurde Provins erneut für drei Tage belagert.
1617 bestätigte Ludwig XIII. (1601-1643) schließlich die Rechte der Stadt auf ihre drei berühmten Messen. Die erste, die Mai-Messe, begann einen Tag vor Christi Himmelfahrt und dauerte 46 Tage. Die zweite, die Saint-Ayoul-Messe, fand vom 14. September bis Allerheiligen statt, und die dritte, die Saint-Martin-Messe, startete am Tag des heiligen Andreas und endete Ende Dezember.
Die mächtigen Stadtmauern – Zeitzeugen mittelalterlicher Macht
Kaum etwas prägt das Bild von Provins so sehr wie ihre gewaltigen Befestigungsanlagen. Die beeindruckenden Mauern, die heute noch den historischen Kern umschließen, entstanden zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert vor allem unter Thibaut IV., dem Grafen von Champagne, in einer Zeit, als die Stadt auf dem Höhepunkt ihres wirtschaftlichen und politischen Einflusses stand und sich gegen äußere Bedrohungen schützen wollte. Ursprünglich bildeten die Befestigungen einen rund fünf Kilometer langen Ring um die Stadt, doch erhalten geblieben sind vor allem die Abschnitte entlang der Oberstadt mit einer Länge von etwa 1,2 Kilometern, gesäumt von insgesamt 22 unterschiedlich gestalteten Türmen. Über die Jahrhunderte wurden die Mauern mehrfach verändert und an neue Bedürfnisse angepasst, bis ihre militärische Bedeutung im Laufe der frühen Neuzeit allmählich schwand.1983 stürzte ein Teil der Stadtmauern am sogenannten „Cours aux bêtes“ ein. Die umfangreichen Restaurierungs- und Wiederherstellungsarbeiten begannen 1989 und wurden schließlich 2022 abgeschlossen. Sie brachten den ursprünglichen Charakter wieder zum Vorschein.
Zwei der ursprünglichen Stadttore, die Porte Saint‑Jean und die Porte de Jouy, sind noch heute erhalten.
Der Tour César – das Herz der Stadtbefestigung
Der Tour César ist ein imposanter mittelalterlicher Turm, der hoch über der Oberstadt thront und das Bild der Stadt prägt. Errichtet im 12. Jahrhundert unter Heinrich I. genannt der Freigiebige, Graf von Champagne (1127-1181), war der Turm nicht nur ein strategisches Verteidigungsbauwerk, sondern auch ein Symbol für die Macht und den Einfluss der Grafen von Champagne. Seine Architektur gilt als einzigartig in Frankreich, da der achteckige Turm auf einem quadratischen Unterbau, auf einer künstlichen Motte (Erdhügel), errichtet wurde. Während des Hundertjährigen Krieges wurde er kurzzeitig von englischen Truppen besetzt, die ihn zusätzlich mit einer Mauer umgaben. Das heutige Dach und seine Holzkonstruktion stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.Der Tour César diente nicht nur als Wehrturm, er wurde auch als Glockenturm genutzt. Von den ursprünglich sechs Glocken blieb nur eine erhalten, denn fünf wurden Ende des 18. Jahrhunderts eingeschmolzen, um daraus Kanonen und Münzen herzustellen. Die Glocken der ehemaligen Kollegialkirche Saint‑Quiriace wurden im Tour César untergebracht, nachdem der Glockenturm der Kirche eingestürzt war. Heute erklingen sie regelmäßig, jeweils zu jeder vollen Stunde und 5 Minuten davor.
Vom massiven Erdgeschoss gelangt man zur Salle des Gardes und weiter in die Chambre du Gouverneur mit Kamin und mittelalterlichen Details. Oben eröffnet sich ein herrlicher Blick über die Dächer Provins und die umgebende Landschaft.
Les souterrains – geheimnisvolles Labyrinth unter Provins
Unter den Kopfsteinpflastern der Altstadt von Provins verbirgt sich ein ganz eigenes Reich. Die mittelalterlichen Untergrundgänge der Stadt können heute besichtigt werden und ziehen Besucher in eine Welt voller Geschichte, Geheimnisse und Legenden. Ursprünglich handelte es sich um Steinbrüche, in denen eine spezielle Tonerde abgebaut wurde, die sogenannte Bleicherde. Diese diente dazu, Wolle zu reinigen und zu entfetten. Außerdem wurde die Erde genutzt, um die Sümpfe aufzufüllen, auf denen später die Unterstadt entstand.Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Unterirdischen Gänge für viele Zwecke genutzt. Sie dienten als Lager während der berühmten Champagner-Messen, als Zufluchtsorte und offenbar auch als geheime Treffpunkte für Freimaurer, Anhänger religiöser Kulte oder politische Dissidenten in Zeiten der Repression. Heute sind noch Graffitis und rätselhafte Symbole an den Wänden sichtbar, die von diesen geheimen Nutzungen zeugen.
Die Souterrains können nur im Rahmen einer geführten Besichtigung betreten werden, das es sich um ein wahres Labyrinth aus Gängen handelt, in dem man sich leicht verlaufen kann.
Gruppen werden auf maximal 25 Personen begrenzt und die Temperatur liegt konstant bei etwa 13 °C.
Besonders stimmungsvoll wird es bei kulturellen Sonderveranstaltungen, wie zum Beispiel den Thementouren „Légendes et Croyances“, in Zusammenarbeit mit der professionellen Theatergruppe Les Arlequins. Bei dieser Führung taucht man förmlich in die Legenden des Mittelalters ein, begleitet von einem faszinierenden Erzähler, dem sogenannten „Meneu de loups“, der Geschichten von Hexen, Feen, Drachen und Werwölfen erzählt.
Die Grange aux Dîmes – Markt und Speicher der mittelalterlichen Stadt
Die Grange aux Dîmes stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist ein beeindruckendes Zeugnis der mittelalterlichen Handelsgeschichte von Provins. Ursprünglich wurde sie während der Champagnermessen als überdachter Markt genutzt, wo Händler ihre Waren anboten.Im 17. Jahrhundert änderte sich ihre Funktion. Sie diente nun als0 Speicher für die Zehnten, also die Abgaben, die Bauern an die Kirche entrichten mussten. Dieser Nutzung verdankt das Gebäude seinen heutigen Namen.
Die Grange aux Dîmes wurde bereits 1847 als historisches Denkmal klassifiziert und ist damit eines der ältesten offiziell geschützten Bauwerke der Stadt.
Heute ist die Halle ein Museum mit einer Ausstellung von Wachsfiguren, die Szenen aus dem mittelalterlichen Leben und Handel in Provins lebendig nachstellen.
Maison romane – Schätze der Geschichte
Das Museum von Provins, ausgezeichnet als „Musée de France“, befindet sich in der sogenannten Maison romane aus dem 12. Jahrhundert, die zu den ältesten Bauwerken der Stadt zählt und schon von außen einen Eindruck vermittelt, wie Provins im Hochmittelalter ausgesehen haben muss.Die Sammlungen stammen aus archäologischen Ausgrabungen in Provins und der Umgebung und reichen von der Urgeschichte über das Mittelalter und die Renaissance bis ins 19. Jahrhundert. Besonders beeindruckend sind die erhaltenen Stücke aus dem Schatz von Saint-Quiriace, darunter kostbare Goldschmiedearbeiten und eine außergewöhnliche Stola des heiligen Edme aus dem 13. Jahrhundert, gefertigt aus kostbarer Seide.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Skulpturen, Gemälde und seltene Alltagsobjekte, die Einblicke in das soziale Leben früherer Jahrhunderte geben.
Die Kirche Saint-Ayoul – Pilgerstätte und Handelszentrum
Die Kirche Saint-Ayoul geht auf eine faszinierende Entdeckung im Jahr 996 zurück. In einem abgelegenen Sumpf im Tal von Provins, in der Nähe einer kleinen Kapelle zu Ehren von Saint Médard, wurden menschliche Überreste gefunden. Der Bischof von Sens veranlasste die Ausgrabung der Reliquien von Saint Aigulphe, auch Ayoul oder Aygulf genannt.Kurz darauf sollen Wunder und Heilungen geschehen sein, was 1048 zur Gründung eines benediktinischen Priorats führte. Die Kirche entwickelte sich schnell zu einem Wallfahrtsort, und auf ihrem Vorplatz fanden die ersten Handelsmessen von Provins statt. 1157 zerstörte ein Brand Teile des Gebäudes, das jedoch umgehend wiederaufgebaut und bis ins 16. Jahrhundert mehrfach erweitert und umgestaltet wurde, sodass ihr heutiges Erscheinungsbild eine Mischung aus verschiedenen Epochen widerspiegelt.
Die turbulenten Zeiten der Französischen Revolution hinterließen ebenfalls Spuren. Teile des Priorats wurden verkauft, einige Räume zu Wohnungen umfunktioniert und der Chor als Lager genutzt. 1828 übernahm der Staat das Gebäude und gliederte es in eine Militärkaserne ein. Erst im 20. Jahrhundert begann eine umfassende Restaurierung, die die Kirche wieder als historisches Juwel erstrahlen ließ. Heute ist Saint-Ayoul ein geschütztes historisches Denkmal, das in mehreren Schritten unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Die Collégiale Saint-Quiriace – ein unvollendeter Traum aus Stein
In der Oberstadt von Provins steht ein Bauwerk, das weniger durch Vollkommenheit beeindruckt als durch seine ungewöhnliche Geschichte. Die Collégiale Saint-Quiriace ist ein ehrgeiziges Projekt aus dem 12. Jahrhundert, als Provins auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Geplant war eine monumentale Kirche, deren Ausmaße viele zeitgenössische Kathedralen übertroffen hätten. Doch finanzielle Engpässe und wechselnde politische Umstände setzten dem Bau ein frühes Ende. Statt eines riesigen Gotteshauses entstanden nur der Chor, das Querhaus und einige wenige Joche. Gerade dieses Unvollendete verleiht der Kirche heute ihre besondere Ausstrahlung. Mauern, die nie weitergeführt wurden, und Proportionen, die von einer größeren Vision erzählen, lassen erahnen, was hier einmal entstehen sollte.Im 17. Jahrhundert veränderte ein Brand das Erscheinungsbild der Collégiale nachhaltig. Anstelle der geplanten Gewölbe wurde eine Kuppel errichtet, die heute den Innenraum prägt.
Street Art in Provins – Geschichte trifft zeitgenössische Kunst
Provins überrascht nicht nur mit mittelalterlicher Architektur und jahrhundertealten Gässchen, sondern auch mit moderner Kunst in der Altstadt. Über 20 großformatige Street-Art-Porträts wurden vom französischen Künstler Christian Guémy, bekannt als C215, geschaffen. Diese Kunstwerke zeigen Persönlichkeiten, die in der Geschichte Provins’ eine besondere Rolle spielten.Der Street-Art-Parcours wurde im Rahmen des 20. Jubiläums der Unesco-Weltkulturerbe-Auszeichnung von Provins ins Leben gerufen und lädt dazu ein, die Stadt auf eine ganz andere Art zu entdecken.
Roseraie de Provins – Farben, Düfte und Geschichte in einem Garten
Die Roseraie de Provins ist ein Garten mit über 400 Rosenarten, der sowohl historische Sorten wie die berühmte „Rose von Provins“ als auch moderne Züchtungen umfasst. Die legendäre „Rose von Provins“ (Rosa gallica officinalis) wird mit Thibaut IV., dem Grafen von Champagne, in Verbindung gebracht, der sie nach seiner Rückkehr aus den Kreuzzügen in der Stadt anbauen ließ. Sie wurde in der Medizin, für Parfum und in der Küche verwendet.Dank seiner sorgfältigen Gestaltung in verschiedene Bereich mit Heil- und Kulturpflanzen, sowie der Vielfalt der Pflanzen erhielt die Roseraie 2014 das Label „Jardin Remarquable“ (bemerkenswerter Garten).
Heute findet man in Provins zahlreiche Produkte auf Rosenbasis, von Tee über Süßigkeiten bis hin zu Kosmetik.
Feste, Shows und lebendige Geschichte
Provins ist bekannt für seine historischen Inszenierungen, die das Mittelalter lebendig werden lassen. Besonders beliebt sind die Reitshow „Die Legende der Ritter“ (La Légende des Chevaliers) sowie die Falknervorführung „Die Adler der Stadtmauern“ (Les Aigles des Remparts). Zudem finden zahlreiche Veranstaltungen und Darstellungen statt, die Geschichte auf unterhaltsame Weise vermitteln und sich ideal für Familien eignen.Die „Médiévales de Provins“, ein mittelalterliches Fest, sind eines der bedeutendsten und spektakulärsten Events der Stadt, bei dem die Geschichte von Provins lebendig wird. Sie finden jährlich im Juni statt und ziehen Tausende von Besuchern aus aller Welt an.
Über ein ganzes Wochenende hinweg wird die gesamte Altstadt in ein lebendiges Mittelalterdorf verwandelt. Der Marktplatz und die Gassen füllen sich mit Händlern, Gauklern, Handwerkern, Musikern, Tänzern und Schauspielern, die in historischen Kostümen auftreten und ein buntes Spektakel bieten. Inmitten Auch Ritterturniere, Schwertkämpfe und mittelalterliche Spiele finden statt.
Am ersten Samstag im Juli und im August findet „Les Lueurs du Temps“ statt, ein magisches Ereignis, bei dem die mittelalterliche Stadt Provins auf ungewöhnliche Weise bei Kerzenschein erkundet werden kann.
Nützliche Informationen
Für die Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten empfiehlt sich der Pass Provins, der den Eintritt zu fünf zentralen Kulturstätten umfasst (Tour César, Grange aux Dîmes, Souterrains, Prieuré Saint-Ayoul und Museum von Provins).Zusätzlich bietet der Pass Ermäßigungen bei ausgewählten Partnerangeboten, darunter historische Shows, der Touristenzug oder weitere kulturelle Einrichtungen. Der Pass ist ein Jahr lang gültig, wodurch die enthaltenen Besichtigungen flexibel auf mehrere Besuche verteilt werden können. Er ist sowohl online als auch vor Ort erhältlich. Der Online-Kauf ist in der Regel günstiger, zudem werden Familien ermäßigte Tarife angeboten.
Provins ist mit dem Zug Transilien, Linie P ab dem Gare de l’Est erreichbar.




























































































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