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Château de Rosa Bonheur – Im Atelier der Meisterin

Rosa Bonheur zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts und verbrachte die letzten vierzig Jahre ihres Lebens in ihrem Anwesen in Thomery, dem sogenannten Schloss von By. Dieses Anwesen ist weit mehr als nur ein Wohnhaus, es ist ein authentischer Ort der Erinnerung, der seit ihrem Tod im Jahr 1899 nahezu unverändert geblieben ist. Seit 2011 trägt es das Label „Maison des Illustres“, das in Frankreich Persönlichkeiten ehrt, deren Häuser das kulturelle Erbe lebendig halten. Hier schuf Rosa Bonheur Werke, die sie weit über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt machten. Besonders in den Vereinigten Staaten genoss sie große Anerkennung und bewegte sich in internationalen Künstlerkreisen, was ihre außergewöhnliche Stellung als Frau in der Kunstwelt ihrer Zeit unterstreicht. Als Ausdruck dieser Anerkennung schenkte ihr Buffalo Bill ein traditionelles Sioux-Kostüm, das heute im Museum zu sehen ist.



Eine idyllische Lage als Inspirationsquelle

Das Schloss liegt inmitten einer ruhigen und grünen Landschaft am Rand des Waldes von Fontainebleau und bot Rosa Bonheur (1822-1899) genau die Umgebung, die sie für ihre Arbeit benötigte. Die Natur war für sie nicht nur Kulisse, sondern zentrale Inspirationsquelle. Auf dem weitläufigen Gelände hielt sie zahlreiche Tiere, darunter Pferde, Hunde und sogar Löwen, die sie genau studierte, um ihre Bewegungen und ihr Wesen in ihren Gemälden festzuhalten.


Geschichte des Schlosses von By

Die Ursprünge des Schlosses von By reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück, als es als herrschaftliches Gut im ehemaligen Dorf By (heute Thomery) entstand. Über Jahrhunderte hinweg blieb es im Besitz der Adelsfamilie By und wurde insbesondere im 18. Jahrhundert umfassend umgebaut und erweitert, wodurch es sein heutiges architektonisches Aussehen erhielt. Erst mit der Französischen Revolution verlor das Anwesen seine Funktion als klassischer Adelssitz, blieb jedoch ein bedeutendes ländliches Gut in unmittelbarer Nähe zum Wald von Fontainebleau.

Im Jahr 1859 begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Schlosses, als Rosa Bonheur das Anwesen erwarb. Möglich wurde dieser Kauf durch den außergewöhnlichen Erfolg ihres Gemäldes „Der Pferdemarkt“, dessen Verkauf ihr ein Vermögen einbrachte. Sie verließ ihr Atelier in Paris, um sich dem ständigen Besucherandrang zu entziehen und näher an der Natur zu leben, die für ihre Kunst von zentraler Bedeutung war. Das weitläufige Gelände mit seinem Park und der Nähe zum Wald bot ihr ideale Bedingungen, um Tiere zu studieren und monumentale Gemälde zu schaffen, für die ihr früheres Atelier zu klein geworden war.

Das Schloss befand sich damals in einem eher vernachlässigten Zustand, doch Rosa Bonheur erkannte sofort das Potenzial dieses Ortes. Sie beauftragte den Architekten Jules Saulnier, ein großes, lichtdurchflutetes Atelier zu errichten, das ihren künstlerischen Ansprüchen gerecht werden sollte. Dieses wurde 1860 fertiggestellt. Neben diesem Hauptatelier richtete sie zusätzlich kleinere Arbeitsräume ein, die insbesondere im Winter leichter zu beheizen waren. Ein Jahr nach Abschluss der Bauarbeiten zog Rosa Bonheur endgültig in das Schloss ein, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1899 lebte und arbeitete.



Im weitläufigen Park hielt sie nicht nur klassische Haustiere, sondern auch exotische Tiere wie Löwen, die sie als Modelle für ihre Werke nutzte. Diese ungewöhnliche Lebensweise zog zahlreiche Besucher an, darunter auch hochrangige Persönlichkeiten. So besuchte die Kaiserin Eugénie de Montijo das Schloss mehrfach, zunächst überraschend während eines Aufenthalts im Schloss von Fontainebleau. Wenig später wurde Rosa Bonheur an den kaiserlichen Hof eingeladen, und am 10. Juni 1865 kehrte die Kaiserin zurück, um ihr persönlich die Ehrenlegion zu verleihen. Auch der Kronprinz Napoléon Eugène Louis Bonaparte kam regelmäßig nach By, fasziniert von der Tierwelt und der unkonventionellen Künstlerin.

Nach dem Tod von Rosa Bonheur ging das Anwesen in die Hände ihrer engen Vertrauten und späteren Erbin Anna Klumpke über, die das Haus mit großer Hingabe bewahrte und bereits früh begann, das Atelier für Besucher zu öffnen. Durch ihr Engagement blieb das Schloss in einem außergewöhnlich authentischen Zustand erhalten, der bis heute beeindruckt.

Über mehrere Generationen hinweg wurde das Anwesen von der Familie Klumpke sorgfältig gepflegt, bevor es im Jahr 2017 von Katherine Brault übernommen wurde, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diesen besonderen Ort nicht nur zu erhalten, sondern auch neu zu beleben. Mit großem Engagement werden seitdem Restaurierungsarbeiten durchgeführt, bei denen unbekannte Archive entdeckt wurden, die neue Einblicke in das Leben und Werk von Rosa Bonheur ermöglichen.



Das Atelier als Herzstück des Anwesens

Das Atelier von Rosa Bonheur bildet das eindrucksvolle Zentrum des Schlosses und wirkt, als hätte die Künstlerin es erst gestern verlassen. Ihre persönlichen Gegenstände sind noch immer vorhanden und vermitteln ein Gefühl von Nähe. Der Kittel, den sie bei der Arbeit trug, ihre Farbpalette und ihre robusten Stiefel zeugen von ihrer praktischen und zugleich leidenschaftlichen Herangehensweise an die Kunst. Selbst scheinbar unbedeutende Details wie zurückgelassene Zigarettenkippen tragen zur Authentizität des Ortes bei. Fotografien, Skulpturen und zahlreiche Erinnerungsstücke zeigen, dass Rosa Bonheur nicht nur Malerin war, sondern auch in anderen künstlerischen Disziplinen experimentierte.


   


   









Begegnungen und Anerkennung

Das Schloss von By war nicht nur ein Rückzugsort, sondern auch Schauplatz bedeutender Begegnungen. Eine besonders prägende Episode fand im Jahr 1864 statt, als Rosa Bonheur für ihre künstlerischen Leistungen auf höchster Ebene gewürdigt wurde. Sie erhielt das Kreuz der Ehrenlegion, womit sie als erste Frau überhaupt diese hohe Auszeichnung erlangte. Dieser Moment markiert nicht nur einen persönlichen Triumph, sondern auch einen wichtigen Schritt für die Anerkennung von Künstlerinnen in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Darüber hinaus empfing Rosa Bonheur zahlreiche internationale Gäste, darunter auch berühmte Persönlichkeiten aus den Vereinigten Staaten, was ihren Ruf als weltweit geschätzte Künstlerin weiter festigte.

In vielen französischen Städten und Gemeinden tragen Straßen, Plätze und Bildungseinrichtungen ihren Namen, zum Beispiel in Thomery, Melun, Fontainebleau, Lyon, Nantes und La Rochelle, ebenso wie mehrere Schulen oder Collèges, die ihr Andenken lebendig halten.





Sammlungen zwischen Kunst und Kuriosität

Die Sammlungen im Schloss spiegeln die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit Rosa Bonheurs wider und bieten einen faszinierenden Einblick in ihr Leben. Neben ihren eigenen Werken finden sich hier zahlreiche Objekte, die von ihren Interessen und Begegnungen erzählen. Besonders bemerkenswert sind die ausgestopften Tiere, die einst Teil ihres Alltags waren und heute als stille Zeugen ihrer Leidenschaft für die Tierwelt dienen. Der Kopf ihres Pferdes über der Tür, ein Papagei am Fenster und die Löwin, die heute als Vorleger dient, schaffen eine Atmosphäre, die zugleich faszinierend und ungewöhnlich ist. Ergänzt wird diese Sammlung durch Fotografien, Erinnerungsstücke und Geschenke, die Rosa Bonheur im Laufe ihres Lebens erhielt.







Ein Verein als Hüter des Erbes

Eine entscheidende Rolle für den Erhalt dieses einzigartigen Ortes spielt der Verein „Les Amis du Château de Rosa Bonheur“, der im Jahr 2018 gegründet wurde. Seine Aufgabe besteht darin, das Werk, die Persönlichkeit und die Erinnerung an Rosa Bonheur zu bewahren, zu fördern und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei engagiert sich der Verein nicht nur für den Schutz des Schlosses selbst, sondern auch für die Erhaltung und Erweiterung der Sammlungen durch den Erwerb von Kunstwerken, Möbeln und historischen Objekten. Ebenso unterstützt er wissenschaftliche Forschung sowie kulturelle und pädagogische Projekte, die das Verständnis für das Leben und Schaffen der Künstlerin vertiefen. Seit 2024 ist er Teil der Myriad Foundation, wodurch seine Aktivitäten über Frankreich hinaus ausgeweitet werden konnten und internationale Förderer leichter eingebunden werden.

Der Verein veranstaltet seit 2020 jeden Sommer das Festival Rosa Bonheur im Park des Anwesens. Über mehrere Wochen hinweg verwandelt sich das Gelände in eine Bühne für Konzerte und künstlerische Begegnungen, die bewusst in einem intimen Rahmen gehalten sind. Der Fokus liegt auf der Förderung weiblicher Kreativität im Sinne des sogenannten „Matrimoine“, also des kulturellen Erbes von Frauen, und greift damit das Selbstverständnis von Rosa Bonheur auf, die zeitlebens für die Anerkennung von Künstlerinnen eintrat. Die musikalische Bandbreite reicht von klassischer Musik über Jazz, Chanson und Folk bis hin zu Soul, Pop und Weltmusik, wodurch ein bewusst vielfältiges und offenes Programm entsteht.




Nützliche Informationen

Adresse:
Château de Rosa Bonheur
12 rue Rosa Bonheur, 77810 By Thomery

Anreise:
Abfahrt Paris Gare de Lyon, TER Richtung Montargis, Station Thomery. Von dort ca. 15–20 Minuten zu Fuß zum Schloss.
Von Paris aus: A6 Richtung Lyon, Ausfahrt Fontainebleau, Richtung Thomery, Château de Rosa Bonheur

Führungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag 10:30 – 11:30 – 13:30 – 14:30 – 15:30 – 16:30 Uhr, RESERVIERUNG ERFORDERLICH
Dauer der Führung zwischen 1,5 und 2 Stunden.

Der Teesalon ist von Mittwoch bis Sonntag von 11 – 18 Uhr geöffnet (auch ohne Ticket zugänglich). Reservierung zu empfehlen.

Tarife:
Normaltarif: 19,90 €, Ermäßigter Preis: 14,90 € (-18 Jahren, Studierende - 25 Jahren), Kinder - 6 Jahren 1 €
Sonderführung für Kinder 8 € (30-minütige Führung, bis 10 Jahre)

Internetseite:
https://www.chateau-rosa-bonheur.fr/

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