Zitat der Woche

"Der Weg den du alleine gehst, ist zwar am härtesten, aber er macht dich stark!” - unbekannt

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20 Pariser Passagen – Flanieren unter Glasdächern

Wie mag Paris wohl am Ende des 18. Jahrhunderts ausgesehen haben? Man muss sich eine Stadt ohne Abwassersystem vorstellen, mit engen, verschlungenen Straßen, ohne Bürgersteige und mit kaum vorhandener Straßenbeleuchtung. Für Fußgänger war das Stadtbild alles andere als komfortabel. Erst die Französische Revolution leitete einen tiefgreifenden Wandel ein. Durch die Enteignung des Adels und der Kirche wurden große Flächen frei, die fortan für neue Bauprojekte und spekulative Vorhaben genutzt werden konnten.

In dieser Umgebung boten die überdachten Passagen entlang der neu angelegten Boulevards, die sich von Anfang an großer Beliebtheit erfreuten und in denen Theater und Vergnügungen florierten, eine geschützte, saubere und angenehme Möglichkeit zu flanieren. Inspiriert von den Holzgalerien des Palais Royal, die bereits ab 1786 als Vorbilder dienten, verbanden die Arkaden Architektur, Handel und gesellschaftliches Leben. Sie wurden schnell Treffpunkte für wohlhabende Bürger, Künstler und Schriftsteller.

Nach den Napoleonischen Kriegen erlebten sie ihre Blütezeit, verloren im Laufe des 19. Jahrhunderts mit Hausmanns Umbauten an Bedeutung, doch einige wurden restauriert und haben bis heute nichts von ihrem Reiz verloren. Gerade in den Wintermonaten bieten sie stilvolle Rückzugsorte für entspannte Stadtspaziergänge.


Galerie du Palais Royal (1er) – Wo alles begann

Die Galerien des Palais Royal gelten als geistige Vorläufer der späteren Passagen. Bereits im späten 18. Jahrhundert verbanden sie Konsum, Vergnügen und gesellschaftliches Leben unter Arkaden. Sie zeigen, wie aus offenen Säulengängen später geschlossene Passagen wurden. Zwischen Gärten und historischen Fassaden entfaltet sich ein Stück Pariser Stadtgeschichte, die bis heute belebt ist.
Adresse: 2, place Colette
Öffnungszeiten: Zugang durch den Garten 7h30-20h30


Galerie Véro-Dodat (1er)

Zwischen Louvre und Palais Royal verbirgt sich die elegant Galerie Véro-Dodat von den Unternehmern Benoît Véro und François Dodat aus dem Jahr 1826, die bis heute ihren aristokratischen Charme bewahrt hat. Der streng symmetrische Grundriss, der kontrastreiche schwarz-weiße Marmorboden, Spiegel und die dunklen Holzfassaden schaffen eine fast theatralische Atmosphäre. Einst galt die Galerie als technische Sensation, da sie früh mit Gaslicht ausgestattet war. Nach Jahren des Niedergangs retteten Antiquitätenhändler in den 1970er Jahren die Galerie, bevor eine umfassende Renovierung 1997 ihr den heutigen Glanz verlieh. Heute zieht sie Besucher mit Antiquitätenläden, Design-Boutiquen und luxuriösen Marken an, darunter das legendäre Atelier von Christian Louboutin.
Adresse: 19 rue Jean-Jacques-Rousseau / 2 rue du Bouloi
Öffnungszeiten: Mo–Sa 7–22 Uhr, geschlossen sonntags und an Feiertagen


Passage des Deux Pavillons (1er)

Die Passage des Deux Pavillons ist ein unscheinbares, aber bedeutendes Relikt der Pariser Passagenkultur. In den 1820er-Jahren auf Initiative des Comte Dervilliers angelegt, entstand sie als direkte Verbindung zwischen den Gärten des Palais-Royal und der rue des Petits-Champs und war damals ein begehrtes Bindeglied zwischen konkurrierenden Galerien. Ihren Namen verdankt die Passage den beiden historischen Pavillons, die noch heute das Treppenhaus einrahmen. Trotz ihrer geringen Ausmaße erzählt sie von den frühen städtebaulichen Ambitionen dieser Epoche und bewahrt bis heute ihren besonderen historischen Stellenwert.
Adresse: 6 rue de Beaujolais / 5 rue des Petits-Champs
Öffnungszeiten: durchgehend geöffnet


Galerie Colbert (2ème)

Als direkte Konkurrentin der Galerie Vivienne im Jahr 1826 konzipiert, setzte die Galerie Colbert von Anfang an, durch neoklassizistische Architektur und pompöse Dekoration auf monumentale Wirkung. Herzstück ist die große Rotunde mit Glaskuppel, die den Raum in Licht taucht. Trotz ihrer architektonischen Pracht blieb der kommerzielle Erfolg begrenzt. Nach wechselvoller Geschichte dient die Galerie heute überwiegend kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Als Passage im klassischen Sinne funktioniert sie kaum noch und dient heute als Universitätsgebäude.
Adresse: 6 rue des Petits-Champs / 2 rue Vivienne
Öffnungszeiten: Montag–Samstag 8–20 Uhr


Galerie Vivienne (2ème)

Die Galerie Vivienne, in unmittelbarer Nähe zum Palais-Royal gelegen, ist die wohl eleganteste unter den Pariser Passagen. Ihre reich verzierte Glaskuppel, die kunstvollen, farbigen Mosaikböden, sowie die harmonisch gestalteten Arkaden machen sie zu einem architektonischen Gesamtkunstwerk. Seit ihrer Eröffnung in den 1820er-Jahren zog sie eine wohlhabende Kundschaft an. Dank aufwendiger Restaurierungen erstrahlt sie heute wieder in voller Pracht und verbindet historische Eleganz mit zeitgemäßem Lifestyle. Modeboutiquen, Buchhandlungen, Kunstgalerien und stilvolle Cafés fügen sich nahtlos in das historische Ambiente ein. Ein Besuch lässt sich ideal mit einem Abstecher in die benachbarte Galerie Colbert verbinden, die ebenfalls sehr sehenswert ist.
Adresse: 4, rue des Petits-Champs / 5, rue de la Banque
Öffnungszeiten: täglich von 8:30 bis 20:30 Uhr

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Passage Ben Aïad (2ème)

Heute nicht mehr öffentlich zugänglich, ist die Passage Ben Aïad ein verborgenes Überbleibsel eines ehemals größeren Passagen-Komplexes und der letzte erhaltene Rest der früheren Passage du Saumon. Sie verband einst mehrere Straßen zwischen Montorgueil und Montmartre und war ein lebendiger Treffpunkt mit Geschäften, Bädern und sogar Ballsaal‑Veranstaltungen. Die meisten Teile wurden jedoch im späten 19. Jahrhundert abgerissen, als die Stadt neu strukturiert wurde. Hinter schmiedeeisernen Gittern zeugt dieser kurze Abschnitt, der später nach seinem damaligen Eigentümer benannt wurde, von der damaligen Architektur. Ein stilles, fast unsichtbares Zeugnis der Passagen-Epoche.
Adresse: 9, rue Léopold Bellan / 8, rue Bachaumont
Öffnungszeiten: geschlossen für die Öffentlichkeit (privater Durchgang)


Passage Choiseul (2ème)

Mit fast 200 Metern Länge gehört die im Jahr 1827 eröffnete Passage Choiseul zu den ausgedehntesten Pariser Passagen. Architektonisch eher nüchtern, mit einem schlichten Design und zweigeschossigen Wohnbereichen über den Boutiquen, entfaltet sie ihren Reiz durch das urbane Leben, das sich hier seit fast zwei Jahrhunderten abspielt. Schriftsteller, Künstler und Geschäftsleute haben sie geprägt. Heute ist sie ein funktionaler, alltagstauglicher Durchgang mit Restaurants, Läden und Büros. Weniger glamourös, aber authentisch.
Adresse: 40 rue des Petits-Champs / 23 rue Saint-Augustin
Öffnungszeiten: Montag–Samstag 8–20 Uhr


Passage des Panoramas (2ème)

Der älteste erhaltene überdachte Durchgang von Paris, die Passage des Panoramas, entstand bereits Ende des 18. Jahrhunderts, im Jahr 1799. Ihren Namen verdankt sie einstigen Rundbauten, in denen monumentale Gemälde gezeigt wurden, die eine frühe Form visueller Unterhaltung waren, jedoch bereits 1831 abgerissen wurden. Im Laufe der Zeit wuchs der Komplex zu einem verzweigten Netz kleiner Galerien heran. Heute ist die Passage des Panoramas lebendig wie eh und je. Briefmarkenläden, Bistros, Weinbars und kleine Spezialgeschäfte reihen sich dicht aneinander und machen sie zu einem der atmosphärischsten Orte der Stadt.
Adresse: 11 Boulevard Montmartre / 38 rue Vivienne
Öffnungszeiten: täglich von 6:00 Uhr bis 24:00 Uhr


Passage des Princes (2ème)

Die jüngste der klassischen Passagen wurde im späten 19. Jahrhundert von Jules Mirès errichtet und mehrfach grundlegend umgestaltet. Obwohl sie während des Zweiten Kaiserreichs erfolgreich war, wurde sie 1985 fast vollständig abgerissen und zwischen 1990–1995 rekonstruiert. Bekannt ist die Passage des Princes vor allem für ihr Spielzeuggeschäft, das sie zu einem Magneten für Familien macht, besonders zur Weihnachtszeit. Der schwarz-weiße Schachbrettboden, die außergewöhnlichen Laternen und das hohe Glasdach machen sie zu einem idealen Ziel für einen Winterspaziergang. Ein Ort zwischen Nostalgie und zeitgenössischem Konsum.
Adresse: 5 boulevard des Italiens / 97 rue de Richelieu
Öffnungszeiten: Montag–Samstag 8–20 Uhr


Passage du Bourg-l’Abbé (2ème)

Die eher unscheinbare Passage du Bourg-l’Abbé, die 1828 eröffnet wurde, erinnert an eine Zeit, in der überdachte Wege vor allem Schutz vor Schlamm, Verkehr und schlechtem Wetter boten. Einst Teil eines ganzen Netzes von Passagen rund um die Rue Saint-Denis, erbaut auf einem Grundstück der ehemaligen Abtei Saint-Martin-des-Champs, dient sie heute vor allem als Abkürzung. Trotz einfacher Architektur bewahrt sie eine gewisse Melancholie, die an das verlorene Paris des frühen 19. Jahrhunderts erinnert.
Adresse: 120 rue Saint-Denis / 3 rue de Palestro
Öffnungszeiten: Montag–Samstag 7:30–19:30 Uhr

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Passage du Caire (2ème)

Der Passage du Caire wurde 1798 errichtet, zur Zeit der Ägyptenexpedition Napoleons, und gilt als der älteste noch erhaltene überdachte Durchgang der Stadt. Sie entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters der Filles-Dieu und besteht aus drei miteinander verbundenen Galerien, die sie mit drei Eingängen zu einem städtischen Labyrinth machen. Eine Besonderheit ist der Bodenbelag, der aus den Grabplatten der ehemaligen Ordensschwestern gefertigt wurde. Sie ist nicht nur die älteste, sondern mit 370 Metern Länge auch die längste Passage von Paris.
Einst Zentrum der Druck- und Papierindustrie, ist sie heute fest mit der Textil- und Modebranche verbunden. Auffällig ist außerdem die Fassade am Haus Nr. 2 am Place du Caire, die mit drei Darstellungen der ägyptischen Göttin Hathor (Liebe, Schönheit, Mutterschaft und Musik) geschmückt ist.
Adresse: 2, place du Caire / 16, rue du Caire / 239, rue Saint-Denis
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7:00 bis 18:30 Uhr (derzeit wegen Bauarbeiten geschlossen)


Passage du Grand-Cerf (2ème)

Hoch, lichtdurchflutet und überraschend modern wirkt die Passage du Grand-Cerf, deren Glasdach sich fast zwölf Meter über dem Boden erhebt. Die filigrane Metallkonstruktion sorgt für eine großzügige und helle Wirkung des Raumes. Nach Jahrzehnten des Verfalls wurde sie aufwendig restauriert und gehört heute zu den beliebtesten Passagen der Hauptstadt. Designläden, Mode, Handwerk und Schmuck machen sie zu einem kreativen Treffpunkt.
Adresse: 145 rue Saint-Denis / 10-8 rue Dussoubs
Öffnungszeiten: Montag–Samstag 8:30–20 Uhr, Sonn- und Feiertage geschlossen

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Passage du Ponceau (2ème)

Die 1826 eröffnete Passage du Ponceau erlebte nie den Glanz ihrer berühmten Nachbarn. Schmal, schlicht und mehrfach umgebaut, verlor sie früh ihre dekorativen Elemente. Heute ist sie vor allem funktional geprägt, mit Großhandelsgeschäften und Lagerflächen. Dennoch erzählt sie von den Schattenseiten der Passagen-Geschichte und zeigt, wie stark wirtschaftliche Entwicklungen das Stadtbild verändern können.
Adresse: 212 rue Saint-Denis / 119 boulevard de Sébastopol
Öffnungszeiten: Montag–Freitag 8–19 Uhr


Passage Vendôme (3ème)

Abseits der bekannten Passagen-Achse gelegen, führte die Passage Vendôme lange ein Schattendasein. Ursprünglich 1827 großzügig angelegt, verlor sie durch städtebauliche Umgestaltungen des Place de la République an Länge und Bedeutung. Heute wirkt sie ruhig und etwas vergessen, bietet aber einen interessanten Einblick in die weniger glamourösen Kapitel der Geschichte über Pariser Passagen.
Adresse: 16/18 rue Béranger / 1 place de la République
Öffnungszeiten: Montag–Freitag 7:15–20:00, Samstag 8:00–20:00, geschlossen sonntags


Galerie de la Madeleine (8ème)

Als einer der letzten großen Passagen ab 1842 im Pariser Zentrum spiegelt die Galerie de la Madeleine bereits den Übergang zur modernen Stadt wider. Großzügige Proportionen, sorgfältige Materialien und dekorative Details verleihen ihr eine zurückhaltende Eleganz. Sie verbindet die repräsentative Place de la Madeleine mit ruhigeren Straßen.
Adresse: 9 place de la Madeleine / 30 rue Boissy-d’Anglas
Öffnungszeiten: Montag–Samstag 8:00–23:00, geschlossen sonntags und an Feiertagen


Passage Puteaux (8ème)

Kurz, diskret und elegant fügt sich die Passage Puteaux in das Viertel rund um die Madeleine ein. Durch ihre überschaubare Länge von nur 29 Metern und die schlichte Gestaltung ist sie allerdings auch leicht zu übersehen. In den letzten Jahren hat die durch Cafés und Restaurants an Beliebtheit gewonnen und ist heute ein angenehmer Ort für eine Pause abseits des Großstadttrubels.
Adresse: 31 rue de l’Arcade / 28 rue Pasquier
Öffnungszeiten: Montag–Freitag 7:00–19:00, geschlossen am Wochenende


Passage Jouffroy (9ème)

Der Passage Jouffroy wurde 1845 als direkte Verlängerung der Passage des Panoramas erbaut und galt damals als ausgesprochen modern. Technisch war sie durch Metall- und Glaskonstruktion, Fußbodenheizung und hellen Proportionen ihrer Zeit voraus und machten sie zum Musterbeispiel moderner Architektur des 19. Jahrhunderts. Sie war der erste überdachte Durchgang in Paris, der vollständig aus Metall und Glas konstruiert wurde. Bis heute hat sie ihren nostalgischen Charme bewahrt. Kuriose Läden, Buchhandlungen und kleine Spezialgeschäfte laden zu einer Entdeckungsreise ein. Sie zieht heute zahlreiche Besucher an, nicht zuletzt wegen ihrer Nähe zum Musée Grévin.
Adresse: 10–12 boulevard Montmartre / 9 rue de la Grange-Batelière
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 8:30 bis 19:30 Uhr, Sonntag von 10:00 bis 19:00 Uhr

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Passage Verdeau (9ème)

Die 1847 eröffnete Passage Verdeau verbindet die Passagen Jouffroy und Panoramas und wird oft zu Unrecht übersehen. Ihre ruhige Atmosphäre, die schönen Glasflächen und das ausgeprägte Angebot an Kunst- und Antiquitätenhandel machen sie zu einem beliebten Ziel für Sammler. Wer sich für alte Drucke, Bücher oder Sammlerstücke interessiert, findet hier eine der authentischste Passagen von Paris.
Adresse: 6 rue de la Grange-Batelière / 31 bis du Faubourg
Öffnungszeiten: Montag–Freitag 7:30–21 Uhr, Samstag & Sonntag 7:30–20:30 Uhr


Passage Brady (10ème)

Die Passage Brady, eröffnet 1828, unterscheidet sich deutlich von allen anderen. Hier dominieren Farben, Düfte und Klänge Südasiens. Indische, pakistanische und sri-lankische Restaurants, Gewürzläden und Textilgeschäfte verleihen ihr den Beinamen „Little India“. Historisch als bürgerliche Passage erbaut, wurde sie im 20. Jahrhundert neu belebt und ist heute ein Ort kultureller Vielfalt.
Adresse: 46 rue du Faubourg Saint-Denis / 33 boulevard de Strasbourg (überdacht)
20 boulevard de Strasbourg / 43 rue du Faubourg Saint-Martin (offen)
Öffnungszeiten: Montag–Samstag 9:30–23:30 Uhr, Sonntag 18–23:30 Uhr


Passage du Prado (10ème)

Die Passage du Prado, deren Ursprung bis 1785 unter dem Namen Passage du Bois de Boulogne zurückreicht, vereint Gegensätze aus architektonischer Eleganz, sichtbaren Verfall, Geschichte und Improvisation. Ihr gekrümmter Verlauf und die zentrale Rotunde verleihen ihr eine ungewöhnliche Wirkung. Renovierungen im Jahr 2012 konnten ihren ursprünglichen Charme mit Art-déco-Elementen nur teilweise wiederherstellen.
Adresse: 18 boulevard Saint-Denis / 12 rue du Faubourg Saint-Denis
Öffnungszeiten: täglich 9:30–19:00

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