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Quartier du Parc de Montsouris – Die stillen Gassen entlang der Rue Nansouty

Entlang der Rue Nansouty und der Rue Émile Deutsch-de-la-Meurthe, verbirgt sich eines der überraschendsten Wohnviertels des Pariser Südens. In unmittelbarer Nähe des Parc Montsouris erinnern diese Sackgassen und schmalen Privatwege an die ländliche Vergangenheit des 14. Arrondissements, das heute als eines der begehrtesten Mikroviertel gilt. Sie bilden ein harmonisches Ensemble unterschiedlichster Bautypen aus kleinen Pavillons mit Garten, ehemaligen Künstlerateliers, Architektenvillen und Wohnhäusern der 1930er-Jahre. Dazwischen finden sich schlichte Backstein- und Mühlsteinbauten aus dem späten 19. Jahrhundert und verleihen dem Quartier seinen unverwechselbaren Charakter.

Schon früh zog dieses Viertel Künstler aus dem nahegelegenen Montparnasse an. Arbeiter und Angestellte lebten hier neben Léonard Foujita, Roger Bissière, Jean Chapin, deren finanzielle Situation sich mit wachsender Anerkennung verbesserte.

Zwischen der Impasse Nansouty, Villa du Parc de Montsouris, Rue du Parc de Montsouris, Rue Georges Braque und der Square de Montsouris hat diese Gegend ihren Dorfcharakter bewahrt, in der nichts an die heutige Metropole erinnert.




Ein Boden, der Geschichte schrieb

Das Viertel Parc de Montsouris, das heute zum 14. Arrondissement gehört, lag bis ins 19. Jahrhundert außerhalb der Stadtgrenzen und war Teil der Gemeinde Gentilly. In der Nähe der Stadtbefestigungen entstanden Elendsviertel, geprägt von Armut und prekären Lebensverhältnissen. Der Boden war durch ehemalige Gips- und Kalksteinbrüche instabil, was Bauprojekte stark einschränkte.

Mit der Eingemeindung im Jahr 1860 begann eine tiefgreifende Veränderung. Unter der Erde entstand ein komplexes System aus Stollen, das den brüchigen Boden sichern sollte.
Parallel dazu plante Haussmann gemeinsam mit dem Ingenieur Eugène Belgrand die Überdeckung der Bièvre. Dieses gewaltige Projekt, das ab 1860 umgesetzt wurde, veränderte das Relief der heutigen 5. und 13. Arrondissements grundlegend. Die Auffüllung der ehemaligen Flusstäler zog sich vom Boulevard Blanqui bis zum Place de Rungis, weit im Süden, und dauerte fast sechzig Jahre. Der geschwungene Verlauf mancher Straßen folgt noch heute dem einstigen Flussbett.

Bis 1937 trug das Viertel den Namen „Quartier de la Santé“, benannt nach der angrenzenden Rue de la Santé.


Die Entstehung des Parc Montsouris

Einen entscheidenden Impuls erhielt das Viertel durch den Bau des Parc Montsouris. 1865 beschlossen, aber erst 1878 wegen des Kriegs gegen Preußen, dem Sturz des Kaiserreichs, der Pariser Kommune, sowie technischer Schwierigkeiten offiziell eröffnet, war er eines der großen Grünprojekte des Zweiten Kaiserreichs. Verantwortlich für die Gestaltung war der Ingenieur Adolphe Alphand (1817-1891), der bereits am Bois de Boulogne und Bois de Vincennes gearbeitet hatte.

Der Park sollte nicht nur Erholung bieten, sondern gezielt neue Wohngebiete anziehen. Rund um die Grünanlage entstanden neue Straßenachsen, darunter die heutige Avenue René Coty, einst Avenue du Parc Montsouris und die Rue d‘Alésia. Während entlang dieser Hauptachsen größere Mietshäuser entstanden, entwickelten sich abseits davon kleine Wohngebiete, die heute als besonders begehrt gelten.



Rue Nansouty – Vom Landweg zur Künstleradresse

Die Rue Nansouty folgt dem Verlauf eines alten Weges, der Gentilly mit Paris verband. Sie beginnt an der Kreuzung Avenue Reille und der Avenue René Coty. Als sie 1865 offiziell eröffnet wurde, erhielt sie den Namen des napoleonischen Generals Étienne Marie Antoine Champion de Nansouty (1768-1815). 1924 wurde ein Teil der Straße rein namentlich abgetrennt und nach Émile Deutsch-de-la-Meurthe (1847-1924) benannt, einem Industriellen und Philanthropen, der die Gründung der Cité Universitaire de Paris maßgeblich finanzierte.

Von dieser Straße zweigen mehrere kleine Wege ab, die den eigentlichen Charakter des Viertels ausmachen. Manche sind öffentlich, andere privat, einige enden abrupt in Sackgassen.

Die Impasse Nansouty, heute ein stiller Rückzugsort, entstand im 19. Jahrhundert als Impasse du Bel-Air und erhielt ihren heutigen Namen erst 1977. Gleich daneben liegt die private Villa du Parc de Montsouris, die zwischen den Hausnummern 8 und 12 der Rue Émile Deutsch-de-la-Meurthe beginnt und in einer Sackgasse endet.

Die Rue du Parc de Montsouris folgt einem U-förmigen Verlauf. 1865 als Avenue de Montsouris angelegt, wurde sie später in Rue du Dressage, zur Erinnerung an die nahegelegene Dressurschule von Montrouge, umbenannt und trägt seit 1895 ihren heutigen Namen. Hier entwarf der Architekt Pierre Humbert für den bekannten Schriftsteller Michel Morphy ein Stadthaus (Nummer 6-10) im Stil der Belle Époque.

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Die Rue Georges Braque wurde 1927, im Rahmen eines Neubauprojekts, auf einem Grundstück eines gewissen Monsieur Hass angelegt und erstreckt sich über weniger als 100 Meter von der Rue Nansouty bis zu einer kleinen Sackgasse, die in einem Platz endet. Ursprünglich Rue du Douanier genannt, erhielt sie 1976 ihren heutigen Namen zu Ehren des berühmten französischen Malers und Bildhauers Georges Braque (1882-1963), der hier lebte und sein Atelier hatte. Errichtet wurde das Haus (Nummer 6) mit seinen großen Fenstern im Obergeschoss vom Architekten Auguste Perret.

An der Ecke Rue Georges Braque und Rue Nansouty erhebt sich die Villa Guggenbühl (Nummer 14), die André Lurçat in den Jahren 1926/1927 für den Maler Walter Guggenbühl entwarf. Sie ist ein markantes Beispiel früher Moderne, dessen versetzte Baukörper und klare Linien in den 1920er-Jahren Aufsehen erregten. Seit 1975 steht sie unter Denkmalschutz, wurde jedoch später stark verändert.



Square de Montsouris – Soziale Vision und spätere Exklusivität

Die Square de Montsouris entstand ursprünglich als soziales Wohnprojekt. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich nicht um einen Park, sondern um eine gepflasterte Wohnstraße, die Anfang der 1920er-Jahre angelegt wurde. Ein Teil der rund 60 Häuser war als HBM (habitations à bon marché, frühe Sozialwohnungen) vom Architekten Jacques Bonnier im Jahr 1924 geplant worden. Seine Idee war es vier Typen von Backsteinpavillons mit kleinen Gärten für Arbeiter, Handwerker und Künstler zu bauen. Diese sollten funktional und bezahlbar sein. Sie wurden alle in rotem oder ockerfarbenem Backstein gebaut und folgen demselben Grundriss. Im Untergeschoss befinden sich eine Waschküche, ein Keller und ein Atelier, das Erdgeschoss bietet einen schmalen Flur, Küche, Esszimmer und ein Büro, während das Obergeschoss zwei Schlafzimmer, Bad, WC und manchmal einen Abstellraum umfasst.
Private Bauherren setzten jedoch eigene Akzente, entwarfen individuelle Fassaden, spielten mit Stilen zwischen Art Nouveau, Art Déco und klassischer Moderne. Die Folge ist ein überraschendes Straßenbild, in dem Fachwerk, Erker, Balkone und Glasflächen mit Glyzinien, wildem Wein und Vorgärten konkurrieren.


An der Ecke Rue Nansouty befindet sich die Maison Gaut (Nummer 2), die 1923 von Auguste und Gustave Perret erbaut wurde. Auftraggeber war der Filmproduzent Pierre Gaut, der zahlreiche Werke von Jean Renoir 
(1894-1979) produzierte, darunter „La Règle du jeu“ (Die Spielregel, 1939). Ursprünglich war das Projekt Le Corbusier, mit bürgerlichem Namen Charles-Édouard Jeanneret-Gris (1887-1965) anvertraut, der das Ergebnis der Brüder später scharf kritisierte.

Am anderen Ende der Straße steht die Villa des Malers und Fotografen Amédée Ozenfant, die 1923 von seinem Freund Le Corbusier, entworfen wurde. Dieser Bau aus Stahlbeton gilt als Meilenstein moderner Architektur. Der ursprüngliche Sheddach-Aufbau (Sägezahndach) wurde später durch eine Dachterrasse ersetzt.

Der Bildhauer Claude Bouscau (1909-1985) bewohnte das Haus Nummer 40 mit Fachwerk und Glasfenstern von 1940 bis zu seinem Tod im Jahr 1985. Zuvor gehörte es dem Architekten Gilles Buisson selbst. Das Haus hat sein ursprüngliches Erscheinungsbild weitgehend bewahrt. Änderungen beschränkten sich auf eine Zugangrampe und einen schmiedeeisernen Balkon anstelle des früheren Holzbauteils.

Die Square de Montsouris zog auch prominente Persönlichkeiten an. So lebten die Schauspielerin Julie Gayet und der ehemalige Präsident François Hollande hier, und Vanessa Paradis sowie Johnny Depp wohnten Anfang der 2000er‑Jahre in der Strasse, was dem Viertel einen Hauch Hollywood verlieh.

Heute ist die Square de Montsouris als geschütztes Ensemble eingetragen. Sie gehört zu jenen seltenen Orten in Paris, die ihre ländliche Seele bewahrt haben, vergleichbar mit der Cité Florale oder dem Square des Peupliers.



   

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