Rue de la Ferronnerie - Vom Handwerkerviertel zum Schauplatz eines Attentats
Im lebhaften Viertel Les Halles im 1. Arrondissement von Paris und unweit des modernen Kunstzentrums Centre Pompidou, liegt die Rue de la Ferronnerie. Täglich schlendern hier Menschen zwischen Cafés, Bistros und kleinen Geschäften hindurch. Doch wer nur flüchtig vorbeigeht, übersieht leicht die Spuren der Geschichte. Eine Gedenktafel an einer Hausfassade und eine Platte im Boden erinnern an ein Ereignis von dramatischer Tragweite.
Genau hier, am 14. Mai 1610, wurde Heinrich IV. ermordet.

Heinrich IV. erkannte im Laufe der Jahre, dass selbst eine Reihe militärischer Siege nicht ausreichen würde, um seine Herrschaft zu festigen, da er als Protestant für einen großen Teil der katholischen Bevölkerung nicht als legitimer König galt. In dieser politisch angespannten Situation entschloss er sich zu einem Schritt von entscheidender Tragweite, indem er auf Anraten seines engen Vertrauten Maximilien de Béthune (1560–1641), des späteren Herzogs von Sully, am 25. Juli 1593 zum katholischen Glauben übertrat. Auch seine Mätresse Gabrielle d’Estrées (1573–1599), die großen Einfluss auf ihn ausübte, bestärkte ihn in dieser Entscheidung, da sie die religiöse Einheit als Voraussetzung für die Stabilisierung des Königreichs betrachtete.
Am 27. Februar 1594 wurde er schließlich in der Kathedrale von Chartres zum König gekrönt, da Reims von seinen Gegnern kontrolliert wurde. Mit diesem Akt begann sich die Lage im Land zu stabilisieren, und viele Franzosen sahen darin ein Zeichen für das mögliche Ende der Religionskriege.
Nur wenige Wochen später zog Heinrich IV. am 22. März 1594 in Paris ein und beendete damit eine lange Phase von Bürgerkrieg und religiöser Gewalt.
Mit dem Edikt von Nantes im Jahr 1598 gelang es ihm, den Protestanten begrenzte Religionsfreiheit sowie politische und militärische Sicherheiten zu gewähren, wodurch erstmals seit Jahrzehnten eine prekäres Miteinander zwischen den Konfessionen möglich wurde, auch wenn Misstrauen und Spannungen weiterhin bestanden.
Am Vortag seiner Ermordung war seine Frau Maria von Medici (1575–1642) in der Basilika Saint-Denis gekrönt worden. Diese späte Krönung, zehn Jahre nach ihrer Hochzeit, sollte ihre Autorität während der Abwesenheit des Königs sichern und war ein bewusst gesetztes politisches Signal. Der Hof bereitete sich auf eine Phase der Unsicherheit vor.
Es war kurz nach 16 Uhr, als sein Wagen unter Begleitung von nur einigen Höflingen und Kammerdienern in die enge Rue de la Ferronnerie einfuhr. Händler und andere Wagen blockierten die Durchfahrt, und Heinrich IV. ließ die Ledervorhänge zurückziehen, um zu sehen, war vor sich ging. François Ravaillac (1577–1610) nutzte diesen Moment, trat an die Kutsche heran und stach mehrmals auf den König ein. Die Verletzungen waren tödlich, und noch bevor Heinrich den Louvre wieder erreichte, starb er.
Ravaillac wurde sofort vom Herzog von Épernon, der den König begleitete, festgenommen und in der Conciergerie eingesperrt.
Die Familie geriet jedoch durch das Verhalten seines Vaters in erhebliche Schwierigkeiten. 1588 verlor Jean Ravaillac seine Position als Gerichtsschreiber, weil er in ein Attentat auf den Herzog von Épernon, den Statthalter von Angoulême, verwickelt war. Daraufhin entwickelte er ernsthafte Alkoholprobleme und geriet in finanzielle Probleme.
Schon früh entwickelte François Ravaillac ein starkes religiöses Bewusstsein und eine ausgeprägte Abneigung gegenüber den Hugenotten, die er als Bedrohung für den katholischen Glauben wahrnahm. Im Erwachsenenalter führte er ein unstetes Leben als Diener und Lehrer. Sein fanatischer Eifer steigerte sich im Laufe der Jahre, bis er überzeugt war, dass König Heinrich IV. den katholischen Glauben gefährde. Er glaubte, dass Gott ihn dazu bestimmt habe, den König zu töten, um den Glauben zu schützen und Frankreich wieder auf den rechten Weg zu führen. Getrieben von dieser Überzeugung verübte er am 14. Mai 1610 in Paris das Attentat.
Auch nach seiner Festnahme blieb er bei dieser Darstellung und beteuerte unter Folter, ohne Komplizen gehandelt zu haben.
Am 27. Mai 1610 wurde er auf dem Place de Grève öffentlich hingerichtet. Er galt als religiöser Fanatiker, der davon überzeugt war, der König habe den katholischen Glauben verraten. Seine Hinrichtung war grausam und sollte als Abschreckung dienen. Mit dem Tod Heinrichs IV. endete eine Phase relativer Stabilität in Frankreich.
Bis heute bleibt offen, ob Ravaillac allein handelte, oder manipuliert wurde. Denn politische und persönliche Spannungen am Hof verschärften die Lage zusätzlich. Der König war unsterblich in die 15-jährige Charlotte de Montmorency (1594–1624) verliebt, die 1609 in den Dienst der Königin Maria von Medici trat. Da sie jedoch den Marquis de Bassompierre heiraten sollte, entschied Heinrich IV., ihre Verlobung aufzuheben und sie stattdessen mit seinem Neffen Henri II. de Bourbon (1588–1646) zu verheiraten, der für seine Homosexualität bekannt war. Doch das Paar floh aus Paris und überquerte die Grenze ohne königliche Erlaubnis, um nach Brüssel zu reisen, der Hauptstadt der Spanischen Niederlande zu Beginn des 17. Jahrhunderts.
Auch Heinrichs andere Mätresse, Henriette d’Entragues (1577–1636), mit der er mehrere Kinder hatte, hoffte auf den Thron und intrigierte gegen den König.
Genau hier, am 14. Mai 1610, wurde Heinrich IV. ermordet.
Namensherkunft der Straße
Ursprünglich hieß die heutige Rue de la Ferronnerie „rue des Charrons“ oder „rue de la Charonnerie“, weil sich hier Stellmacher niederließen, doch im Jahr 1229 erhielten Eisenarbeiter mit der Erlaubnis von Ludwig IX. (1214–1270) das Recht, sich ebenfalls hier anzusiedeln. In unmittelbarer Nähe zum Cimetière des Innocents entwickelte sich ein lebendiges Handwerkerviertel. Der heutige Name erinnert bis heute an diese metallverarbeitende Tradition.Ein umstrittener König
Als Heinrich IV. (1553–1610) 1589 den Thron bestieg, war seine Herrschaft alles andere als gesichert, da Frankreich sich mitten in den Religionskriegen befand. Der neue König war Protestant, während die Mehrheit des Landes katholisch war. Die katholische Liga verweigerte ihm die Anerkennung, unterstützte eigene Thronkandidaten und wurde zusätzlich von Spanien gestützt.Heinrich IV. erkannte im Laufe der Jahre, dass selbst eine Reihe militärischer Siege nicht ausreichen würde, um seine Herrschaft zu festigen, da er als Protestant für einen großen Teil der katholischen Bevölkerung nicht als legitimer König galt. In dieser politisch angespannten Situation entschloss er sich zu einem Schritt von entscheidender Tragweite, indem er auf Anraten seines engen Vertrauten Maximilien de Béthune (1560–1641), des späteren Herzogs von Sully, am 25. Juli 1593 zum katholischen Glauben übertrat. Auch seine Mätresse Gabrielle d’Estrées (1573–1599), die großen Einfluss auf ihn ausübte, bestärkte ihn in dieser Entscheidung, da sie die religiöse Einheit als Voraussetzung für die Stabilisierung des Königreichs betrachtete.
Am 27. Februar 1594 wurde er schließlich in der Kathedrale von Chartres zum König gekrönt, da Reims von seinen Gegnern kontrolliert wurde. Mit diesem Akt begann sich die Lage im Land zu stabilisieren, und viele Franzosen sahen darin ein Zeichen für das mögliche Ende der Religionskriege.
Nur wenige Wochen später zog Heinrich IV. am 22. März 1594 in Paris ein und beendete damit eine lange Phase von Bürgerkrieg und religiöser Gewalt.
Mit dem Edikt von Nantes im Jahr 1598 gelang es ihm, den Protestanten begrenzte Religionsfreiheit sowie politische und militärische Sicherheiten zu gewähren, wodurch erstmals seit Jahrzehnten eine prekäres Miteinander zwischen den Konfessionen möglich wurde, auch wenn Misstrauen und Spannungen weiterhin bestanden.
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| Quelle: Wikipedia, Gemälde von Frans Pourbus le Jeune |
14. Mai 1610 – Der Mord an Heinrich IV.
Am 14. Mai 1610 verließ Heinrich IV. den Louvre, um seinen Freund Sully im Arsenal zu besuchen. Der Minister war krank, und zugleich standen wichtige politische Entscheidungen an, da der König einen Feldzug gegen die Habsburger und die katholischen Mächte Europas plante.Am Vortag seiner Ermordung war seine Frau Maria von Medici (1575–1642) in der Basilika Saint-Denis gekrönt worden. Diese späte Krönung, zehn Jahre nach ihrer Hochzeit, sollte ihre Autorität während der Abwesenheit des Königs sichern und war ein bewusst gesetztes politisches Signal. Der Hof bereitete sich auf eine Phase der Unsicherheit vor.
Es war kurz nach 16 Uhr, als sein Wagen unter Begleitung von nur einigen Höflingen und Kammerdienern in die enge Rue de la Ferronnerie einfuhr. Händler und andere Wagen blockierten die Durchfahrt, und Heinrich IV. ließ die Ledervorhänge zurückziehen, um zu sehen, war vor sich ging. François Ravaillac (1577–1610) nutzte diesen Moment, trat an die Kutsche heran und stach mehrmals auf den König ein. Die Verletzungen waren tödlich, und noch bevor Heinrich den Louvre wieder erreichte, starb er.
Ravaillac wurde sofort vom Herzog von Épernon, der den König begleitete, festgenommen und in der Conciergerie eingesperrt.
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| Quelle: Gemälde von Charles-Gustave Housez, Musée National du Château de Pau |
Fanatismus, Mätressen und politische Spannungen
François Ravaillac wuchs in Angoulême in einer tief religiösen Familie auf, in der seine Mutter großen Einfluss auf seine strenge katholische Erziehung hatte.Die Familie geriet jedoch durch das Verhalten seines Vaters in erhebliche Schwierigkeiten. 1588 verlor Jean Ravaillac seine Position als Gerichtsschreiber, weil er in ein Attentat auf den Herzog von Épernon, den Statthalter von Angoulême, verwickelt war. Daraufhin entwickelte er ernsthafte Alkoholprobleme und geriet in finanzielle Probleme.
Schon früh entwickelte François Ravaillac ein starkes religiöses Bewusstsein und eine ausgeprägte Abneigung gegenüber den Hugenotten, die er als Bedrohung für den katholischen Glauben wahrnahm. Im Erwachsenenalter führte er ein unstetes Leben als Diener und Lehrer. Sein fanatischer Eifer steigerte sich im Laufe der Jahre, bis er überzeugt war, dass König Heinrich IV. den katholischen Glauben gefährde. Er glaubte, dass Gott ihn dazu bestimmt habe, den König zu töten, um den Glauben zu schützen und Frankreich wieder auf den rechten Weg zu führen. Getrieben von dieser Überzeugung verübte er am 14. Mai 1610 in Paris das Attentat.
Auch nach seiner Festnahme blieb er bei dieser Darstellung und beteuerte unter Folter, ohne Komplizen gehandelt zu haben.
Am 27. Mai 1610 wurde er auf dem Place de Grève öffentlich hingerichtet. Er galt als religiöser Fanatiker, der davon überzeugt war, der König habe den katholischen Glauben verraten. Seine Hinrichtung war grausam und sollte als Abschreckung dienen. Mit dem Tod Heinrichs IV. endete eine Phase relativer Stabilität in Frankreich.
Bis heute bleibt offen, ob Ravaillac allein handelte, oder manipuliert wurde. Denn politische und persönliche Spannungen am Hof verschärften die Lage zusätzlich. Der König war unsterblich in die 15-jährige Charlotte de Montmorency (1594–1624) verliebt, die 1609 in den Dienst der Königin Maria von Medici trat. Da sie jedoch den Marquis de Bassompierre heiraten sollte, entschied Heinrich IV., ihre Verlobung aufzuheben und sie stattdessen mit seinem Neffen Henri II. de Bourbon (1588–1646) zu verheiraten, der für seine Homosexualität bekannt war. Doch das Paar floh aus Paris und überquerte die Grenze ohne königliche Erlaubnis, um nach Brüssel zu reisen, der Hauptstadt der Spanischen Niederlande zu Beginn des 17. Jahrhunderts.
Auch Heinrichs andere Mätresse, Henriette d’Entragues (1577–1636), mit der er mehrere Kinder hatte, hoffte auf den Thron und intrigierte gegen den König.




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